Mein erstes Buch: Stephanie Schneider

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Auch wenn’s manchmal schnell geht mit dem ersten Buch – man muss geduldig bleiben, weiß Stephanie Schneider

Stephanie_Schneider_2015__04Liebe Stephanie, berichte uns – wie kam’s zu deinem ersten Buch?
Mein erstes Buch war „Warum Mama eine rosa Handtasche braucht“, und geschrieben habe ich es eigentlich für mich selbst. Ich hätte gerne solche Texte gelesen, habe in den Buchläden aber nichts entdeckt. So ist das eigentlich bisher mit jedem meiner Bücher gewesen: Natürlich schreibe ich für die Leser und Leserinnen. In erster Linie aber erfinde ich Bücher und Geschichten, die ich selber gerne lesen würde.

Cover_Warum_Mama_eine_rosa_Handtasche_braucht

 

Wie lange hat es von der Idee bis zur Veröffentlichung gedauert?
Das war sehr, sehr untypisch. Ich habe – nach intensiver Studie einiger Ratgeber zum Thema „Veröffentlichen“ – einen Verlag angerufen und Exposé und Leseprobe angeboten. Eine Kollegin hatte die Unterlagen auch noch einem anderen Verlag gegeben. Beide Verlage haben sofort zugesagt, so dass ich mich nicht nur entscheiden musste. Die „rosa Handtasche“ hat sich vom ersten Tag an super verkauft. Und es ist noch immer das meiner Bücher mit den besten Zahlen. Ich glaube, so leicht war es nie wieder.
Der Anfang flog mir also zu. Sicher ist das schreiben mein Ding. Und die Lektüre der Fachliteratur hat bestimmt auch dazu beigetragen. Aber das Wesentliche war Glück. Zur richtigen Zeit das richtige Produkt angeboten. Damals gab es kaum solche Literatur für überforderte Mütter wie mich. Und offensichtlich war ich nicht die einzige Frau, die sich solche Infos in verständlichen, undogmatischen Stil gewünscht hat.
Der Einstieg in den Kinderbuchmarkt hat dann sehr, sehr viel länger gedauert. Und das, obwohl ich schon fest im Literaturbetrieb angekommen war. Natürlich gab es im Laufe der nächsten Schreibjahre dann auch die ganz normalen Phasen einer jeden Autorin: Schreibblockaden, Absagen, Bücher, die sich nicht recht verkaufen wollten usw. In Sachen Kinderbuch lasse ich mich inzwischen von meiner Agentin Barbara Küper vertreten. Diese Hilfe ist für mich perfekt, um ausreichend Ruhe fürs eigentliche Schreiben zu haben.

Was hat dir beim Schreiben geholfen?
Geholfen hat mir auf jeden Fall die Erkenntnis, dass alle Autoren, also auch die von mir Bewunderten und Erfolgreichen, lange Jahre mit Absagen und mangelnden Erfolgen zu kämpfen hatten. Es ist einfach normal. Außerdem hat mir die innere Überzeugung geholfen, dass ich schreiben MUSS. Dass es eben genau das ist, was ich tun will.

Und hast du  noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Weitermachen. Nicht aufgeben. Sich eingestehen, dass man es einfach nicht lassen kann. Sich selbst immer wieder klarmachen, dass veröffentlichen und verkaufen ein herrliches Gefühl ist und Sicherheit gibt, aber dass das eigentliche Schreiben noch kostbarer ist.
Und ganz praktisch: Wer veröffentlichen will, der sollte an Wettbewerben teilnehmen. Im übervollen Buchmarkt haben viele den Einstieg über einen gewonnenen Preis bekommen. Manchmal schreiben die Verlage selbst solche Wettbewerbe aus.
Ansonsten Fachliteratur nutzen und sich überhaupt möglichst viel Wissen der Profis aneignen. An sich selbst glauben und GLEICHZEITIG wissen, dass man noch so viel dazulernen kann. Egal, wie gut man schon ist. Also jede Kritik anhören, drüber schlafen, vielleicht heimlich ins Kissen heulen und den Text am nächsten Tag verbessern. Oder in die Schublade legen, damit die anderen Übungstexte nicht so allein sind. Und dann einen neuen schreiben, der schon viel, viel besser ist.
Gute, professionelle Lektorate fürs Manuskript sind eine tolle Gelegenheit. Eine super Idee für den nächsten Wunschzettel zum Geburtstag oder an Weihnachten.

512f3DYJpuLDiverse Sachbücher für Familien und zahlreiche Kinderbücher für Kleine bis Mittelgroße später, erscheint im Juli Stephanie Schneiders neues Kinderbuch „Wunschpost für Ida“. Darum geht’s:

Ida hat Schmetterlinge im Bauch. Die fühlen sich leicht und irgendwie kribbelig an. Ob das an Jost liegt, der mit seiner Mutter Anne in den Ferien zu Besuch gekommen ist? Mit Jost kann man die tollsten Sachen machen: ein Flaschenpostamt bauen, haufenweise Blätterbriefe schreiben und überhaupt die aufregendste Zeit am Fluss verbringen. Außerdem muss Ida immer wieder zu Jost gucken. Denn er hat so dunkelschwarze Augen, von denen man ein komisches Gefühl kriegt. Aber leider nehmen auch die schönsten Ferien irgendwann ein Ende. Und schließlich muss Ida von Jost und seiner Mutter Abschied nehmen. Jetzt fühlt sich bei Ida gar nichts mehr gut an: Ihre Arme und Beine und auch ihr Bauch sind steinschwer. Als Ida Frau Doktor Ziebel um Rat fragt, kann die leider auch nichts machen. »Wenn man jemanden vermisst, helfen auch keine Tabletten.«
Aber Jost lebt in Hamburg und das liegt an der Elbe. Ida könnte ihm eine Flaschenpost schicken. Vielleicht bekommt sie Antwort von ihm? Von nun an geht sie jeden Tag zum Fluss hinunter …

Homepage der Autorin: http://www.stephanie-schneider.de/

Foto der Autorin: Martin Bühler