Aus dem Leben einer Seminarteilnehmerin

Haben Sie sich immer schon mal gefragt, wie es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in unseren Schreibseminaren wohl so ergeht? Hier haben wir den taufrischen Bericht von Sabrina Schwab, eine der diesjährigen Absolventinnen unserer ersten vier Seminarmodule:

Ja, Gabi, ich komm ja schon!

Auf einmal stand sie in meinem Kopf: Gabriele Prechtl. In ihrem Chanel-Kostümchen, der blonden Hochsteckfrisur und den selbstbewusst verschränkten Armen lächelt mich die Bürgermeisterin von Gerstenreuth triumphierend an. Wo kommt die denn jetzt her?

Als ich an einem Samstagmorgen bei der Münchner Schreibakademie einlief, hatte ich noch eine ganz andere Buchidee. Über Bäume wollte ich schreiben, die in einem sozialen Miteinander leben und gesellschaftliche Probleme widerspiegeln. Ganz intellektuelle Sache. Ziemlich außergewöhnlich. Definitiv kein Standard. Ich war schon ein Fuchs!
Doch dann machten wir diese Übung …

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Dialoge – bitte nicht zu „lebensecht“

Tatjana P. aus Hof schreibt uns:
Hallo Münchner Schreibakademie, ich schreibe schon seit längerem an einem Kurzkrimi, den ich nun auch zwei Testleserinnen gegeben habe. Die fanden meine Dialog langweilig, dabei tue ich alles, damit sie so lebensecht wie möglich klingen. Ich gebe mir große Mühe meine Figuren wie reale Menschen sprechen zu lassen. Wie kann denn das langweilig sein?

Vielen Dank für Ihre Frage. Ohne Ihren Text zu kennen, ist es natürlich schwer, etwas zu Ihren Dialogen zu sagen. Doch wir erleben immer wieder in unseren Seminaren, dass gerade beim Dialog zwei Dinge miteinander verwechselt werden:
Das eine ist die Geschichte, die Fiktion, von der wir möchten, dass die LeserInnen sie für real halten, das andere ist die wirkliche Realität.
Oft muss man im Fiktionalen das Reale zugunsten der Spannung und der Glaubwürdigkeit beschneiden, um plausibel zu klingen. Das gilt ganz besonders für den Dialog.

Wenn wir echten Menschen aufmerksam zuhören, wimmelt es nur so von Redundanzen und Banalitäten, man fällt einander ständig ins Wort und wiederholt sich endlos, ohne es zu merken. Das klingt dann etwa so:

„Guten Morgen, Gerd.“
„Guten Morgen, Gaby.“
„Mei ist dein Beppo heut wieder brav. Mei, ist der liab. Du, hast du gsehn, wie der Karli, der wo letzthin mit seim Hund, du weißt schon, da an der Mauer von dem Huber sein Dings …“
„Ja, der Beppo ist ja immer so brav, gell, ja bist du brav, so ein ganz ein Braver. Ach, du meinst den Karli, gell, ja mei, der ist ja auch wirklich, Gott, wenn ich nur schon an den denk …“

Wenn man diese Unterhaltung (genauso gerade vor dem Fenster der Akademie zwischen zwei Hundebesitzern geführt) dann über Seiten hinweg lesen muss, wirkt das höchst ermüdend. Deshalb muss man das tun, was allen Texten gut tut. Man muss kürzen. Der Dialog sollte so knapp wie möglich sein und frei von banalen Wiederholungen, Begrüßungs- oder Verabschiedungsformeln. Außerdem muss die Sprache Ihrer Figuren auch zu ihnen passen, aber das wäre dann schon wieder ein anderes Feld.
Falls Sie das Thema Dialoge vertiefen möchten, empfehlen wir Ihnen das Buch: „Schau mir in die Augen, Kleines. Die Kunst der Dialoggestaltung“ von Oliver Schütte, UVK Verlagsgesellschaft, 2010. Das richtet sich zwar eigentlich an Drehbuchautoren, ist aber klar und stringent geschrieben und überzeugt mit guten Beispielen!

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

Spannung im Liebesroman? Warum das denn?

Eva H. aus Augsburg schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, ständig sagt meine Schreibgruppe, dass der Liebesroman, an dem ich arbeite, irgendwie langweilig ist. Sie finden, es fehlt an Spannung, aber ich schreibe doch keinen Actionthriller!! Was kann ich da tun?

Vielen Dank für Ihre Frage. Ohne Ihren Roman zu kennen, ist es natürlich schwierig, etwas Konkretes dazu zu sagen. Vielleicht liegt hier aber auch nur ein Missverständnis vor. Spannung bedeutet nicht, dass sich die Heldin wie Tarzan von Ast zu Ast schwingt und bösartige Gangster mit Maschinengewehren jagt. Spannung sorgt dafür, dass die Leserin das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann – egal in welchem Genre. Daher sollte Spannung in jeder Szene enthalten sein. Auch in vermeintlich „harmlosen“ Flirt oder Kussszenen.
Vereinfacht gesagt, entsteht Spannung dadurch, dass Figur A das Gegenteil oder etwas anderes will als Figur B. Es muss also ein Konflikt vorkommen, nein das ist missverständlich, der gesamte Roman lebt von Konflikten. Das bedeutet nicht, dass alle Figuren in ständigem Kampf miteinander liegen. Konflikte können auch ganz zart unter der Oberfläche brodeln. Ihre Heldin geht z.B. mit dem Helden essen, er träumt von weißen Tischdecken und Haute Cuisine, sie von einer Bratwurstsemmel. Da keiner offen darüber redet, wird der Abend für mindestens einen nicht so, wie er oder sie es sich gewünscht hat. Man kann auch sagen, für einen der beiden geht gerade etwas schief. Und genau so entsteht Spannung. Denn wir fragen uns: Wie gehen die beiden damit um? Und weil wir das wissen wollen, lesen wir weiter. Voilà – es ist spannend!

Natürlich ist das alles noch ein wenig verzwickter, denn zur Erzeugung von Spannung ist es auch wichtig, die Handlung mit den Emotionen der Figuren zu koppeln. Wie man so etwas macht, erklären wir ausführlich in unseren Seminaren. Vielleicht möchten Sie hier aber schon einmal in diesem Klassiker nachlesen: The fire in Fiction von Donald Mass, 2009

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

 

Figuren wie tiefgefrorener Kabeljau

Stefan G. aus Bad Tölz schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, ich habe für all meine Figuren diese Figurensteckbriefe, die es im Internet gibt, ausgefüllt – also über fünfzig Fragen zur Augenfarbe, der Ausbildung, dem Hintergrund der Familie etc. Aber trotzdem habe ich das Gefühl meine Figuren sind so lebendig wie tiefgefrorener Kabeljau. Was kann ich noch tun?

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