Mein erstes Buch: Markus Richter

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Markus Richter ließ sich von einer sehr besonderen Wohnumgebung inspirieren.

Markus, erzähl doch mal: Wie kam’s zu deinem ersten Buch?
Als ich noch im Schloss Neuschwanstein gearbeitet habe, betreute ich dort eines Abends den Fototermin eines kleinen Kulturverlages aus Hamburg. Sie engagierten mich als Co-Autor und verlegten später meine Broschüre über die Heldensagen, die in den Wandgemälden des Schlosses abgebildet sind. Später folgte ein Kinderbuch mit dem Schlossgespenst „Poldi“. So sammelte ich erste Erfahrungen als Autor. Der Neuschwanstein-Thriller „Ins Herz“ ist mein Roman-Debüt. Darin vermische ich reale historische Begebenheiten mit Fiktion und verarbeite Erlebnisse und Erfahrungen aus meiner Zeit im Schloss, denn dort habe ich nicht nur lange gearbeitet, sondern auch gewohnt.

Wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Buch, sprich die Veröffentlichung in einem Verlag gedauert?
Die erste Idee zum Roman liegt über drei Jahre zurück. Ende 2016 war ich mit dem Schreiben fertig. Anfang des Jahres 2017 habe ich Thomas Endl kennengelernt, der sofort Feuer und Flamme für das Manuskript war. Veröffentlicht wird „Ins Herz“ am 18.09.2017.

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Eine große Herausforderung war es, die Ideen aus meinem Kopf aufs Papier zu bekommen. Ich kannte zwar den Einstieg und das Ende der Geschichte, doch den Weg dazwischen nicht. An vielen Gabelungen bin ich falsch abgebogen und musste wieder zurück. Hilfreich war dann vor allem der enge Kontakt zum Verleger und zu renommierten Schriftsteller/-innen. Das Feedback und die Kommunikation waren enorm wichtig, um das Manuskript und meine persönlichen Fähigkeiten zu verbessern. Dafür bin ich sehr dankbar.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Wenn man es wirklich ernst meint, darf man sich niemals entmutigen lassen. Offenheit für Kritik und Anregungen, sowie der Wille von anderen lernen zu können, sind genauso wichtig wie ein Verlag der hinter dem Projekt steht.

Wer hier oder auf unserer Facebook-Seite bis zum 19. September einen Kommentar hinterlässt, kann ein Exemplar von „Ins Herz“ gewinnen, das bei der Edition Tingeltangel erscheint. Darum geht’s:
1875: Auf der Baustelle der Hohenschwangauer „Neuen Burg“ (Neuschwanstein) stirbt der Bauführer durch einen Schuss ins Herz. Was die tatsächlich erhaltene Chronik des Dorflehrers nur knapp notiert, macht Markus Richter zum Ausgangspunkt eines atemlosen Verschwörungsabenteuers.
Die jungen Hofbediensteten Lenz und Klara wollen sich in dieser Nacht näherkommen. Doch sie stolpern in eine mörderische Intrige. Als sie mit dem Mut der Verzweiflung eingreifen, werden sie selber zur Zielscheibe.

 

Foto des Autors: Thomas Endl

Weitere Infos:  https://www.edition-tingeltangel.de/autoren-k%C3%BCnstler/markus-richter/

 

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Berliner aufgepasst!

Ausflug an die Lette Akadmie

Beatrix Mannel gibt am 04. und  05. November ein Schreibseminar an der renommierten Lette Akademie (Motto: Aus der Praxis für die Praxis!) in Berlin. Ideenfindung, Figurenentwicklung, Basics zu Dramaturgie und Plotentwicklung stehen auf dem Programm.

Alle Infos zum Seminar finden sich hier: http://www.lette-akademie.de/allgemein/kurse/schreibseminar-berlin-roman-schreiben.html

 

 

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Mein erstes Buch: Christine Spindler

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Für Christine Spindler war das Schreiben auch eine Art Therapie.

Liebe Christine, wie war bei dir der Weg zum ersten Buch?
Ich habe immer schon gerne geschrieben – Gedichte, Kurzgeschichten und holprige Romananfänge. Mit Mitte 30 kam ich an einen Punkt in meinem Leben, an dem ich etwas mit dem Schicksal gehadert habe. Ein Todesfall in der Familie, gesundheitliche Probleme, berufliche Unsicherheit … es kam vieles zusammen. Mein Mann meinte, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, mich hinzusetzen und endlich das zu tun, wovon ich immer geträumt hatte: ein Buch schreiben.
Also begann ich, eine Krimiserie zu entwerfen und den ersten Band zu schreiben. Das war in jeder Hinsicht therapeutisch. Ich habe einige meiner persönlichen Probleme darin verarbeitet. Zugleich wurde ich von meinem Kummer abgelenkt, da ich Reisen an die Schauplätze meines Romans unternommen habe. Und ich habe mich an der stetig wachsenden Geschichte erfreut. Erfolgserlebnisse sind ein großartiges Mittel gegen Stress.

Wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Buch, sprich die Veröffentlichung in einem Verlag gedauert?
Vier Jahre.
Zwei Jahre habe ich gebraucht, um das Buch zu schreiben und immer wieder zu überarbeiten. Außerdem habe ich es von zwei Native Speakers korrekturlesen lassen, denn ich hatte es auf Englisch geschrieben und wollte sicher sein, sprachlich alles richtig gemacht zu haben.
Die Suche nach einem Verlag hat sich aus genau diesem Grund recht schwierig gestaltet, da ich das Manuskript keinem deutschen Verlag anbieten konnte. Von den englischen Verlagen, die ich angeschrieben habe, erhielt ich meist nicht einmal eine Antwort.
1999 bekam ich endlich Internet-Anschluss und habe mich viel effektiver auf Verlagssuche begeben können. So fand ich kurz darauf in den USA einen kleinen Verlag, der das Buch als Taschenbuch und e-Book veröffentlicht hat. Als die Belegexemplare kamen, war ich vor Glück völlig aus dem Häuschen. Und das, obwohl mir das Cover überhaupt nicht gefallen hat. Wie man auf dem Foto sieht, ist es sehr merkwürdig und kontrastarm.

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Als schwierig erwies sich meine niedrige Frusttoleranz, die sich bemerkbar machte, wenn ich eine Absage bekam. Besonders geholfen hat mir meine Familie, die mich immer wieder ermuntert hat, nicht aufzugeben. Außerdem hatte ich große Lust am Schreiben entwickelt und habe während der Verlagssuche mein nächstes Buch verfasst.
Ja, meine Begeisterung für das Schreiben war so groß, dass ich stolz verkündet habe, mindestens fünf Bücher schreiben zu wollen. Wenn nicht sogar zehn! Ich fühlte mich dabei sehr verwegen. Hätte ich damals Besuch aus der Zukunft bekommen und dieser Besucher hätte zu mir gesagt: „In 20 Jahren wirst du 50 Bücher geschrieben haben“, dann wäre ich vermutlich einfach vor Schreck umgekippt.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Ein wichtiger Tipp lautet, sich selbst treu zu sein.
Am Anfang muss man ein bisschen herumprobieren, was einem am besten liegt. Wie planerisch möchte man vorgehen, wie viel kann man dem Zufall überlassen? Ich plane nur sehr skizzenhaft und lasse mich von den Personen durch die Geschichte leiten. Dabei erlebe ich viele Überraschungen, muss aber auch großes Vertrauen darin haben, dass eine Idee sich tatsächlich zu einem ausgewachsenen, stimmigen Roman entwickeln wird.
Sehr hilfreich ist es, sich ein tägliches Pensum vorzunehmen. Vier Seiten am Tag sind nicht viel, in der Summe ergeben sie mehrere Bücher im Jahr. Ohne Tagespensum hat man das Gefühl, man würde nie fertig werden, weil das Manuskript nur so langsam wächst.
Ein weiterer Vorteil eines festen Pensums: Man braucht nicht darauf zu warten, dass sich ein besonderer Zustand der Inspiration einstellt. Der entsteht am ehesten dann, wenn man einfach drauflos schreibt. Die ersten Sätze sind noch unsicher, ein Vorantasten in das, was man als Nächstes schildern will. Aber irgendwann fließt es dann richtig gut.
Und da kommt schon der nächste Tipp: Man sollte dafür sorgen, dass man nicht gestört wird. Denn es fühlt sich ganz grässlich an, wenn der wunderbare Schreibfluss unterbrochen wird. Als bei uns im Haus noch mehr Trubel herrschte, hatte ich ein Schild an meiner Arbeitszimmertür: „Nur in äußersten Notfällen anklopfen.“

Wer hier oder auf unserer Facebook-Seite bis zum 12. September einen Kommentar hinterlässt, kann gleich zwei Bücher von Christine Spindler gewinnen: Einmal ihr eigenes Herzensbuch „Mond aus Glas“ und den Autorenratgeber „Mein Ideengarten“. In „Mond aus Glas“ geht es um Folgendes:
Sie sind beide Außenseiter: Die sechzehnjährige Luna, die sich immer an ihrer Zwillingsschwester Stella orientiert hat und seit deren Tod neuen Halt im Leben sucht.
Der achtzehnjährige Finn, der von seiner Mutter überbehütet wird, weil er Bluter ist.
Als Luna und Finn sich begegnen, fühlen sie sofort eine tiefe Verbundenheit. Doch bald kommen Lügen und Geheimnisse an den Tag und nichts ist mehr so, wie es war.
Ist ihre Liebe stark genug, um die beiden Familien aus ihrer Trauer, ihrer Starre zu befreien?

 

 

 

 

 

Foto der Autorin: Wolfgang Irg

Homepage der Autorin: https://www.christinespindler.com/

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Das Drama mit der Dramaturgie

Gregor W. aus Recklinghausen schreibt:
Liebe Münchner Schreibakademie, ich schreibe gerade meinen ersten Roman im Genre Krimi, habe dazu viele Schreibratgeber gelesen und versuche nun, alles, was ich da gelesen habe umzusetzen. Leider muss ich feststellen, das funktioniert nicht so richtig. Vor allem wenn es um die Dramaturgie geht, weiß ich oft nicht weiter. Mir schwirrt schon der Kopf vor lauter Plotpoints, Midpoints, Pinch Points, Klimax und was es so alles gibt. Ich schaffe es einfach nicht, meine Geschichte danach auszurichten. Habt Ihr einen Tipp?

Vielen Dank für Ihre Frage, die viele – nicht nur angehende – Autorinnen und Autoren beschäftigt. Vor allem beim Schreiben von Genre-Literatur, wo der Schwerpunkt mehr auf der Handlung liegt, haben Dramaturgiemodelle Konjunktur. Diese haben ihre Ursprünge häufig in der Filmdramaturgie und werden gerne genutzt, da sie, wie viele Bücher beweisen, auch oft bei Romanen funktionieren. Wir glauben, dass Dramaturgiemodelle gerade für AnfängerInnen ein wichtiges Hilfsmittel sind, um sich im Dschungel des Geschichtenerzählens zurecht zu finden. Oft verliert man den Überblick: Wie müsste mein Held jetzt reagieren? Wann bringe ich eine überraschende Wendung? Darf so weit am Ende noch eine neue Figur auftauchen?

Hat man bei der Planung einen Blick auf die Dramaturgie geworfen, wird man bei der Ausführung – beim Schreiben – der Geschichte sicherer. Dafür ist diese gut. Aber man sollte sich natürlich nicht sklavisch an die Vorgaben halten – es lebe die Planung, die später über den Haufen geworfen werden kann. Ganz ehrlich: Das Ersinnen eines Plots ist so komplex, dass es für die allermeisten AutorInnen nicht möglich ist, schon am Anfang alles bis ins kleinste Detail vorauszuahnen. Welche Möglichkeiten oder Hindernisse eine Plotidee bei der Ausführung dann bietet, merkt man oft erst, wenn man die entsprechende Szene schreibt. Von daher raten wir Ihnen, sich nicht sklavisch an ein Modell zu halten, sondern es  als Ausgangspunkt zu nehmen. Vielleicht hilft es Ihnen, nur die fünf wichtigsten „Meilensteine“ in einer Geschichte zu kennen:

1. Das auslösende Ereignis am Anfang, das die Haupthandlung in Gang setzt,

2. der erste Plotpoint, der den Punkt bezeichnet, ab dem der Held nicht mehr umkehren kann,

3. der Midpoint, bei dem der Held alles bisher Erlebte aus einer neuen Perspektive bewertet,

4. der zweite Plotpoint, der wiederum alles umkehrt und

5. das Ende.

Sinnvoll sind diese Meilensteine vor allem, um zu wissen, wann wir was erzählen. Gibt es gleich am Anfang die dramatischste Szene von allen und keine Steigerung ist mehr möglich – dann wird der Rest des Romans mit Sicherheit langweilig ausfallen. Lassen wir den Mörder erst auf der vorletzten Seite auftauchen, wird der Leser sehr irritiert sein. Die Dramaturgie hilft uns, alle Elemente in ein sinnvolles Verhältnis zueinander zu setzen. Aber sie sollte nicht so starr angewendet werden, dass es unseren kreativen Schreibfluss behindert – solange dieser fließt, ist alles gut!

Wer tiefer in die Materie eindringen will, dem sei empfohlen: Larry Brooks: Story Engineering, Ohio, 2011
oder vom Kollegen Stephan Waldscheidt: Plot & Struktur, 2016

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

 

Dialoge – bitte nicht zu „lebensecht“

Tatjana P. aus Hof schreibt uns:
Hallo Münchner Schreibakademie, ich schreibe schon seit längerem an einem Kurzkrimi, den ich nun auch zwei Testleserinnen gegeben habe. Die fanden meine Dialog langweilig, dabei tue ich alles, damit sie so lebensecht wie möglich klingen. Ich gebe mir große Mühe meine Figuren wie reale Menschen sprechen zu lassen. Wie kann denn das langweilig sein?

Vielen Dank für Ihre Frage. Ohne Ihren Text zu kennen, ist es natürlich schwer, etwas zu Ihren Dialogen zu sagen. Doch wir erleben immer wieder in unseren Seminaren, dass gerade beim Dialog zwei Dinge miteinander verwechselt werden:
Das eine ist die Geschichte, die Fiktion, von der wir möchten, dass die LeserInnen sie für real halten, das andere ist die wirkliche Realität.
Oft muss man im Fiktionalen das Reale zugunsten der Spannung und der Glaubwürdigkeit beschneiden, um plausibel zu klingen. Das gilt ganz besonders für den Dialog.

Wenn wir echten Menschen aufmerksam zuhören, wimmelt es nur so von Redundanzen und Banalitäten, man fällt einander ständig ins Wort und wiederholt sich endlos, ohne es zu merken. Das klingt dann etwa so:

„Guten Morgen, Gerd.“
„Guten Morgen, Gaby.“
„Mei ist dein Beppo heut wieder brav. Mei, ist der liab. Du, hast du gsehn, wie der Karli, der wo letzthin mit seim Hund, du weißt schon, da an der Mauer von dem Huber sein Dings …“
„Ja, der Beppo ist ja immer so brav, gell, ja bist du brav, so ein ganz ein Braver. Ach, du meinst den Karli, gell, ja mei, der ist ja auch wirklich, Gott, wenn ich nur schon an den denk …“

Wenn man diese Unterhaltung (genauso gerade vor dem Fenster der Akademie zwischen zwei Hundebesitzern geführt) dann über Seiten hinweg lesen muss, wirkt das höchst ermüdend. Deshalb muss man das tun, was allen Texten gut tut. Man muss kürzen. Der Dialog sollte so knapp wie möglich sein und frei von banalen Wiederholungen, Begrüßungs- oder Verabschiedungsformeln. Außerdem muss die Sprache Ihrer Figuren auch zu ihnen passen, aber das wäre dann schon wieder ein anderes Feld.
Falls Sie das Thema Dialoge vertiefen möchten, empfehlen wir Ihnen das Buch: „Schau mir in die Augen, Kleines. Die Kunst der Dialoggestaltung“ von Oliver Schütte, UVK Verlagsgesellschaft, 2010. Das richtet sich zwar eigentlich an Drehbuchautoren, ist aber klar und stringent geschrieben und überzeugt mit guten Beispielen!

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

Warum Orthographie tatsächlich wichtig ist

Thea L. aus Gilching schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, bisher dachte ich immer, dass es total okay ist, wenn ich beim Schreiben sehr kreativ mit der Rechtschreibung und Grammatik umgehe, schließlich bin ich nicht mehr in der Schule beim Deutschunterricht. Jetzt wollte ich meine Geschichte an Verlage schicken, aber mein Mann, der sich sonst nicht die Bohne fürs Schreiben interessiert, behauptet, so voller Fehler könne ich das nicht wegschicken. Aber es gibt doch im Verlag genau dafür Lektoren oder nicht?

Vielen Dank für Ihre Frage. Wir müssen Ihrem Mann recht geben!
Natürlich sind die wenigsten Manuskripte, die ein Verlag bekommt, vollkommen fehlerfrei und ja, es gibt in Verlagshäusern ein Korrektorat, das sich darum kümmert, sprachliche und grammatikalische Fehler auszumerzen. Trotzdem sollten Sie bedenken, dass Ihr Manuskript die Eintrittskarte in einen Verlag darstellt. Viele Lektoren legen einen Text, auf dem es schon in den ersten Zeilen nur so von Rechtschreibfehlern wimmelt, schnell zur Seite.

Zum Schreiben gehört unserer Meinung nach dazu, dass man auf die Sprache achtet – sie transportiert schließlich unsere Geschichte. Holpert die Orthographie wie schlecht verlegte Bahnschwellen wird der Zug „Roman“ nie oder nur sehr mühsam am Ziel ankommen. Und womöglich werden die Reisenden, Ihre Leser, der Geschichte überdrüssig und steigen unterwegs aus.
Falls Sie sich mit Rechtschreibung und Grammatik schwer tun, könnte ein spezielles Computerprogramm für Autoren für Sie hilfreich sein, z.B. Papyrus Autor. Diese Software arbeitet mit der aktuellen Duden-Rechtschreibung, entdeckt zuverlässig die allermeisten Fehler und macht Korrekturvorschläge. Aber vielleicht haben Sie ja auch einen sehr gründlichen Deutschlehrer im Bekanntenkreis, der Ihren Text gegenlesen kann, bevor Sie ihn wegschicken.

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

 

 

Wie kann ich der hatte-hatte-Falle entgehen?

Bernhard M. aus Karlsruhe schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, ich schreibe einen Roman, der auf zwei Zeitebenen im Nachkriegsdeutschland spielt. Beim Überarbeiten war ich regelrecht schockiert, als ich gemerkt habe, dass mein Text vom ständigen „hatte, hatte, hatte“ geradezu verseucht ist. Jetzt, nachdem es mir aufgefallen ist, wird mir klar, was den Text so sperrig und unspannend gemacht hat. Hatte bremst. Aber anders als bei „normalen“ Wortwiederholungen kann ich doch jetzt nicht einfach Zeitformen ändern, oder gibt es da irgendwelche Tricks?

Vielen Dank für Ihre Frage. Mit dem hatte“–Problem schlägt sich wahrscheinlich jeder herum, der nicht gerade einen Thriller in der Ich-Perspektive und im Präsens schreibt.

Dadurch, dass Sie beim Sprung zwischen den Zeitebenen vom Präteritum ins Plusquamperfekt wechseln, bilden sich automatisch viele „hatte“-Formulierungen. Das liest sich dann vermutlich etwa so: „Er hatte gesagt, er würde pünktlich kommen. Sie hatte Angst gehabt, ihn zu verpassen. Sie hatte schon schwitzige Hände gehabt, als sie losgefahren war.“ In der Tat – das klingt wie ein Schulaufsatz.

Die meisten Autoren kennzeichnen den Sprung in die zweite Zeitebene dadurch, dass sie die ersten ein, zwei Sätze des neuen Absatzes in das Plusquamperfekt setzen und anschließend normal im Präteritum weitererzählen. Am Ende des Absatzes benutzt man wieder für ein, zwei Sätze das Plusquamperfekt und macht dann im Präteritum in der erste Zeitebene weiter. Dies ist eine elegante und allgemein anerkannte Methode, die allerdings nur funktioniert, wenn die zweite Zeitebene nicht nur für drei oder vier Sätze gebraucht wird.
Also: „Er hatte gesagt, er würde pünktlich kommen, erinnerte sie sich. Trotzdem hatte sie schon beim Losfahren schwitzige Hände gehabt. Als die Tram hielt, drängelte sie sich zwischen den Wartenden durch.“ – Und nicht: „Als die Tram gehalten hatte, hatte sie sich durchgedrängelt.“

Darüberhinaus sollten Sie aber dennoch prüfen, ob Sie nicht an der ein oder anderen Stelle umformulieren können. Schauen Sie, dass Sie möglichst häufig starke Verben verwenden. Aus einem „Sie hatte schwitzige Hände.“ wird dann besser „Ihre Hände waren verschwitzt.“ – Natürlich muss man sich dann vorsehen, nicht zuviele „waren“ im Satz zu haben – aber immerhin können Sie somit schon mal etwas Variation hineinbringen.

Zum guten Schluss könnten Sie auch Folgendes überlegen: Da Sie in Ihrem Roman durch die zwei Zeitebenen vermutlich auch zwei verschiedene Perspektiven haben, könnten Sie für jede Ebene eine andere Zeit verwenden – also etwa die Gegenwart im Präsens schreiben und die Vergangenheit im Präteritum. Oder Sie verwenden für besonders lebhafte, eindringliche und dramatische Episoden das Präsens – als sei der Protagonist im Erinnern noch einmal voll in der Situation. Das kann eine sehr fesselnde Dynamik erzeugen. Wenn Sie in einer der Zeitebenen ins Präsens fallen, haben Sie in jedem Fall mit sehr viel weniger „hatte“ zu kämpfen.

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

 

Weg mit der Trendschielerei!

Andrea F. aus Füssen schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, ich arbeite seit zwei Jahren an einer Dystopie für Erwachsene und bin schon ziemlich weit. In einer Schreibgruppe bei Facebook habe ich jetzt gehört, Dystopien wären gerade total out und man sollte besser auf andere Trends setzen, denn nur so hätte man bei Verlagen überhaupt eine Chance. Ist das wahr? Kann ich also meine Dystopie gleich in die Tonne treten?

Vielen Dank für Ihre Frage, die ein Thema aufgreift, das viele Schreibanfänger umtreibt. Zunächst einmal sind Schreibgruppen im Internet eine sehr gute Idee, um sich Unterstützung zu holen. Die kann man ja wirklich brauchen, wenn man so lange an einem Herzensprojekt arbeitet.
Leider kommen dort jedoch manchmal  Theorien auf, die so einfach nicht zu halten sind!

Man kann ganz klar sagen: auf Trends hin zu schreiben ist  keine gute Idee! Denn erstens ist der Trend zu dem Zeitpunkt, an dem Sie Ihren Roman fertig haben werden, womöglich nur noch Schnee von gestern. Zweitens – und dieser Punkt ist sehr viel wichtiger – geht mit der Trendschielerei genau das verloren, was Ihren Roman einzigartig machen wird! Denn es ist Ihre Sicht auf die Welt, Ihre Persönlichkeit, Ihre Sprache, Ihre Figuren, Ihr Plot. Sie schreiben Ihre Geschichte, weil sie Sie bewegt, umtreibt – weil sie aus Ihrem inneren Bedürfnis kommt, genau diese Geschichte zu schreiben. Einem Trend hinterherzuhecheln, widerspricht dem völlig. Wenn Sie diesem nur folgen, weil Sie damit Erfolg wittern, wird Ihre Geschichte wie von außen aufgepfropft wirken und die Herzen Ihrer LeserInnen nicht erreichen.
Es mag sein, dass ein Trend – wie zum Beispiel aktuell  heiter-besinnliche Inselromane – Ihrer inneren Schreibmotivation entspricht oder Sie für dieses Genre frisch Feuer fangen können, aber ein Trend allein macht noch keinen einzigartigen Roman.

Eine heiter besinnliche Inseldystopie allerdings, also wenn man darüber mal so nachdenkt, na die könnte vielleicht wirklich … aber dann sind Sie keinem Trend gefolgt, sondern selbst Trendsetter geworden. :-)

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

 

Zu Gast in der BR-Abendschau

Neulich war die Abendschau des Bayerischen Rundfunks bei uns und hat anlässlich des Welttag des Buches am 23. April ein Porträt über unsere Schreibakademie gemacht. Den Beitrag könnt ihr hier noch einmal anschauen:

Und hier noch ein paar Impressionen vom Dreh mit der sehr engagierten Autorin des Beitrags und dem tollen Kamerateam! Vielen Dank, dass ihr bei uns vorbeigeschaut habt!

 

 

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Wer braucht schon eine Schreibakademie?

Thomas B. aus Baldham schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, ich habe neulich Ihre Coachingsprechstunde auf Facebook entdeckt, in einer Autorengruppe. Das hat mich geärgert, denn ich glaube nicht an Schreibtipps von Akademien. Vielmehr denke ich, dass Schreibakademien den Leuten nur das Geld aus der Tasche ziehen. Wer schreiben will, braucht nichts von all diesem Kram, wenn man kein Talent und kein Gespür für Geschichten hat, sollte man es besser bleiben lassen!

Vielen Dank für Ihre Frage, die wir gut nachvollziehen können. Leider gibt es auf diesem Gebiet sehr viele selbsternannte Schreibgurus und unseriöse Angebote, die einem den einzig wahren Weg zum garantierten Superbestseller versprechen oder die ultimative Art, einen Roman zu schreiben, anbieten, etc., etc..

Natürlich hat niemand – auch keine Akademie der Welt – wirklich den Weg zum Bestseller anzubieten oder gar den zu Literaturpreisen – aber das hat auch kein Verlag. Was man allerdings durchaus lernen kann, ist das Handwerk des Schreibens: Wie baut man eine Szene auf? Was ist eine dreidimensionale Figur? Wo kommt der Höhepunkt hin? Wie funktioniert Konflikt?

Ob man dabei dann sklavisch seine Wendepunkte bestimmt ( und wehe, der erste kommt nicht nach 25 % des Textes!) sich mit der Prämisse beschäftigt (ohne die ist ja sowieso alles nix!), prinzipiell nur der Heldenreise folgt (alles andere ist nämlich echt krass oberflächlich!) – ist dann völlig egal, wichtig ist nur, sich damit zu befassen.

Man kann Plotten für ein satanisches Ritual von geistig Minderbemittelten halten und dafür lieber die Figuren-Archetypen herunterbeten. Man kann den Midpoint zum heiligen Gral erheben oder ihn als lächerliche Idee von Fernsehproduzenten abtun. Ob und wie man diese Techniken anwendet, ist ein zweiter Schritt. Zuerst gilt es, handwerkliche Fähigkeiten auszubilden und dazu gehört zum Beispiel der korrekte Gebrauch von Rechtschreibung und Grammatik, natürlich klingende Dialoge zu formulieren oder die Verwendung von Bildern, Vergleichen und Metaphern, die man gut beherrschen sollte, wenn man für eine Öffentlichkeit schreiben möchte.

Darauf aufbauend sollte man sich mit Dramaturgie befassen – viele machen das aus dem Bauch heraus richtig. Aber ganz oft kommt man mit dem Roman nicht weiter und bei näherem Hinsehen liegt der Hund dann eben doch in der dramaturgischen Sickergrube begraben. Erst wenn man all diese Techniken beherrscht, kann man sie sinnvoll und für sich selbst passend nutzen, neue Formen entwickeln und mit Erwartungen spielen.

Unser Credo ist immer: Solange du in deinem Text gut vorankommst, vergiss die Schreibtipps. Aber wenn du ins Stocken gerätst, nicht weiter weißt oder gar alles hinschmeißen willst – dann ist es gut, Handwerkszeug parat zu haben, mit dem man weiterarbeiten kann. Und wir schwören: Wir kennen keine/n AutorIn, die oder der ein Buch in einem Rutsch einfach so durchschreibt.

Nicht jeder braucht zur Vermittlung dieser Techniken Seminare an einer Schreibakademie. Manchen genügt die Lektüre von Büchern – von Schreibratgebern, die wir hier auch reichlich empfehlen, oder einfach von Belletristik, die man selbst analysiert, um auf die Geheimnisse des guten Erzählens zu stoßen. Arbeit muss man sich allemal machen, wenn man eine Geschichte so erzählen will, dass die LeserInnen begierig umblättern.
Allerdings ist es gerade für Anfänger schwer, den Transfer vom Schreibratgeber zum eigenen Stoff zu machen und genau darin unterstützen wir unsere TeilnehmerInnen. Bei uns kann nachgehakt werden, wir können andere Beispiele bringen und durch gezieltes Nachfragen, Aha-Erlebnisse befördern. Viele empfinden auch den Austausch im Real life mit anderen AutorInnen als hilfreich. Denn der Input von Außen kann einen zu Ideen führen, die man selbst nie hätte.  Aber schreiben muss man es dann schon selbst. Ganz allein.

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de