Mein erstes Buch: Susanne Goga

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Manchmal braucht es ein paar Fingerübungen bis es klappt, so wie bei Susanne Goga

Liebe Susanne, erzähl mal, wie war der Weg zu deinem ersten Buch?
susannegoga.deEigentlich wollte ich schreiben, seit ich selbst lesen konnte und die öffentlichen Büchereien plünderte. Aber über Fragmente bin ich nie hinausgekommen. Allerdings habe ich mich dann für einen Beruf entschieden, in dem ich meine Leidenschaften für Bücher und die englische Sprache verbinden konnte: literarische Übersetzerin aus dem Englischen.
2001 verspürte ich dann das Bedürfnis, noch etwas außer dem Übersetzen zu machen, und erinnerte mich an meine begonnene und nie vollendete Dissertation über Verfilmungen von Henry V. Das Problem war nur, dass ich im Grunde keine Lust hatte, seitenweise über die Primär- und Sekundärliteratur anderer Leute zu schreiben. Also habe ich mich selbst vor die Entscheidung gestellt – Dissertation oder Roman. Die Antwort fiel mir nicht schwer. Damit hatte ich zwar einen Plan, aber weder eine Idee noch ein Manuskript.

Wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Buch, sprich die Veröffentlichung in einem Verlag gedauert?
LeoBerlin2003 war mein erstes Manuskript fertig, das ich mehreren Agenten angeboten habe, die es aus unterschiedlichen Gründen nicht genommen haben. Einer dieser Agenten ermutigte mich, indem er sagte, er könne das, was ich ihm angeboten hätte, zwar nicht verkaufen, doch ihm gefalle, wie ich schreibe. Wenn ich etwas Neues hätte, sollte ich mich wieder bei ihm melden. Das hat mich ungeheuer motiviert.
Und dann kam mir die Idee, auf die ich gewartet hatte. Ich wollte etwas über Berlin in der Weimarer Republik schreiben, eine Zeit, die mich schon immer fasziniert hat. Damals gab es praktisch keine Krimis aus dieser Epoche, und ich dachte mir, dass dieses Genre einen neuen, interessanten Hintergrund bilden könnte. Ich habe ziemlich schnell ein Exposé entwickelt, vier Kapitel geschrieben und diese erneut an den Agenten geschickt. Daraufhin hat er mir einen Vertrag angeboten.
Die erste Idee hatte ich im Frühjahr 2003, ein Jahr später verkaufte mein Agent das Manuskript mit dem Arbeitstitel Leo Berlin an DTV, und im Juli 2005 ist der Roman erschienen.

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Ich fand es zum einen schwierig, eine tragfähige Idee zu finden, die mir so gut gefiel, dass ich mich lange damit auseinandersetzen und viel Zeit und Recherchearbeit in sie investieren wollte. Und der nächste Schritt war, dass es eine Idee sein musste, für die sich auch ein Publikum interessieren würde. Dass sich das deckt, ist ja nicht selbstverständlich. Ich schreibe nur Bücher, die ich selbst gerne lesen würde, habe aber von Anfang an mit dem Gedanken an ein Publikum geschrieben.
Bei meinem ersten, nicht veröffentlichten Manuskript, das ich heute gern als Fingerübung bezeichne, passte die Zeit nicht. Es spielte sehr kurz nach dem 1. Weltkrieg, ein Thema, das sich damals in Deutschland kaum unterbringen ließ, weil es sich nicht verkaufte. Da musste ich dann noch einmal in mich gehen und mir etwas ganz Neues überlegen.
Die Frage ist nicht so sehr, was, sondern wer mir geholfen hat. Und das war vor allem mein Agent Bastian Schlück. Er hat nicht nur an mich geglaubt, sondern auch das Manuskript zu Leo Berlin von der ersten bis zur letzten Seite begleitet, im Grunde schon vorlektoriert. Diese gründliche Textarbeit war sehr, sehr hilfreich. Hinzu kam, dass er genau wusste, welcher Lektorin in welchem Verlag er das fertige Manuskript anbieten wollte. Er suchte vier Verlage aus, und einer von diesen hat es tatsächlich genommen.

Hast du noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Sich nicht entmutigen lassen. An sich glauben. TestleserInnen sorgsam auswählen. Berechtigte Kritik ertragen und nutzen. Unberechtigte Kritik ignorieren, auch wenn es noch so schwerfällt. Seriöse Agenturen ansprechen (ich würde nie auf meinen Agenten verzichten).

51SW0CEAPuLIm April erschien beim Diana Verlag mit „Der dunkle Weg“  Susanne Gogas achter Roman.
Darum geht’s: Hamburg 1912. Gegen den Willen ihrer Eltern begibt sich die Kaufmannstochter Ida auf eine gewagte Reise, fort von ihren Pflichten, auf nach Irland. Dublin empfängt sie weltoffen, kreativ und gegensätzlich – genau die Abwechslung, die Ida gesucht hat. Schnell findet die junge Künstlerin Arbeit, schließt Freundschaften und lernt den Arzt Cian kennen – und lieben. Voller Zuversicht hofft Ida auf eine Zukunft mit ihm und ein neues Leben in Irland. Doch Europa stehen blutige Zeiten bevor, und bald muss Ida um ihre Träume kämpfen.
Foto der Autorin: Myriam Topel