Mein erstes Buch: Christine Spindler

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Für Christine Spindler war das Schreiben auch eine Art Therapie.

Liebe Christine, wie war bei dir der Weg zum ersten Buch?
Ich habe immer schon gerne geschrieben – Gedichte, Kurzgeschichten und holprige Romananfänge. Mit Mitte 30 kam ich an einen Punkt in meinem Leben, an dem ich etwas mit dem Schicksal gehadert habe. Ein Todesfall in der Familie, gesundheitliche Probleme, berufliche Unsicherheit … es kam vieles zusammen. Mein Mann meinte, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, mich hinzusetzen und endlich das zu tun, wovon ich immer geträumt hatte: ein Buch schreiben.
Also begann ich, eine Krimiserie zu entwerfen und den ersten Band zu schreiben. Das war in jeder Hinsicht therapeutisch. Ich habe einige meiner persönlichen Probleme darin verarbeitet. Zugleich wurde ich von meinem Kummer abgelenkt, da ich Reisen an die Schauplätze meines Romans unternommen habe. Und ich habe mich an der stetig wachsenden Geschichte erfreut. Erfolgserlebnisse sind ein großartiges Mittel gegen Stress.

Wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Buch, sprich die Veröffentlichung in einem Verlag gedauert?
Vier Jahre.
Zwei Jahre habe ich gebraucht, um das Buch zu schreiben und immer wieder zu überarbeiten. Außerdem habe ich es von zwei Native Speakers korrekturlesen lassen, denn ich hatte es auf Englisch geschrieben und wollte sicher sein, sprachlich alles richtig gemacht zu haben.
Die Suche nach einem Verlag hat sich aus genau diesem Grund recht schwierig gestaltet, da ich das Manuskript keinem deutschen Verlag anbieten konnte. Von den englischen Verlagen, die ich angeschrieben habe, erhielt ich meist nicht einmal eine Antwort.
1999 bekam ich endlich Internet-Anschluss und habe mich viel effektiver auf Verlagssuche begeben können. So fand ich kurz darauf in den USA einen kleinen Verlag, der das Buch als Taschenbuch und e-Book veröffentlicht hat. Als die Belegexemplare kamen, war ich vor Glück völlig aus dem Häuschen. Und das, obwohl mir das Cover überhaupt nicht gefallen hat. Wie man auf dem Foto sieht, ist es sehr merkwürdig und kontrastarm.

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Als schwierig erwies sich meine niedrige Frusttoleranz, die sich bemerkbar machte, wenn ich eine Absage bekam. Besonders geholfen hat mir meine Familie, die mich immer wieder ermuntert hat, nicht aufzugeben. Außerdem hatte ich große Lust am Schreiben entwickelt und habe während der Verlagssuche mein nächstes Buch verfasst.
Ja, meine Begeisterung für das Schreiben war so groß, dass ich stolz verkündet habe, mindestens fünf Bücher schreiben zu wollen. Wenn nicht sogar zehn! Ich fühlte mich dabei sehr verwegen. Hätte ich damals Besuch aus der Zukunft bekommen und dieser Besucher hätte zu mir gesagt: „In 20 Jahren wirst du 50 Bücher geschrieben haben“, dann wäre ich vermutlich einfach vor Schreck umgekippt.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Ein wichtiger Tipp lautet, sich selbst treu zu sein.
Am Anfang muss man ein bisschen herumprobieren, was einem am besten liegt. Wie planerisch möchte man vorgehen, wie viel kann man dem Zufall überlassen? Ich plane nur sehr skizzenhaft und lasse mich von den Personen durch die Geschichte leiten. Dabei erlebe ich viele Überraschungen, muss aber auch großes Vertrauen darin haben, dass eine Idee sich tatsächlich zu einem ausgewachsenen, stimmigen Roman entwickeln wird.
Sehr hilfreich ist es, sich ein tägliches Pensum vorzunehmen. Vier Seiten am Tag sind nicht viel, in der Summe ergeben sie mehrere Bücher im Jahr. Ohne Tagespensum hat man das Gefühl, man würde nie fertig werden, weil das Manuskript nur so langsam wächst.
Ein weiterer Vorteil eines festen Pensums: Man braucht nicht darauf zu warten, dass sich ein besonderer Zustand der Inspiration einstellt. Der entsteht am ehesten dann, wenn man einfach drauflos schreibt. Die ersten Sätze sind noch unsicher, ein Vorantasten in das, was man als Nächstes schildern will. Aber irgendwann fließt es dann richtig gut.
Und da kommt schon der nächste Tipp: Man sollte dafür sorgen, dass man nicht gestört wird. Denn es fühlt sich ganz grässlich an, wenn der wunderbare Schreibfluss unterbrochen wird. Als bei uns im Haus noch mehr Trubel herrschte, hatte ich ein Schild an meiner Arbeitszimmertür: „Nur in äußersten Notfällen anklopfen.“

Wer hier oder auf unserer Facebook-Seite bis zum 12. September einen Kommentar hinterlässt, kann gleich zwei Bücher von Christine Spindler gewinnen: Einmal ihr eigenes Herzensbuch „Mond aus Glas“ und den Autorenratgeber „Mein Ideengarten“. In „Mond aus Glas“ geht es um Folgendes:
Sie sind beide Außenseiter: Die sechzehnjährige Luna, die sich immer an ihrer Zwillingsschwester Stella orientiert hat und seit deren Tod neuen Halt im Leben sucht.
Der achtzehnjährige Finn, der von seiner Mutter überbehütet wird, weil er Bluter ist.
Als Luna und Finn sich begegnen, fühlen sie sofort eine tiefe Verbundenheit. Doch bald kommen Lügen und Geheimnisse an den Tag und nichts ist mehr so, wie es war.
Ist ihre Liebe stark genug, um die beiden Familien aus ihrer Trauer, ihrer Starre zu befreien?

 

 

 

 

 

Foto der Autorin: Wolfgang Irg

Homepage der Autorin: https://www.christinespindler.com/

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