Wer braucht schon eine Schreibakademie?

Thomas B. aus Baldham schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, ich habe neulich Ihre Coachingsprechstunde auf Facebook entdeckt, in einer Autorengruppe. Das hat mich geärgert, denn ich glaube nicht an Schreibtipps von Akademien. Vielmehr denke ich, dass Schreibakademien den Leuten nur das Geld aus der Tasche ziehen. Wer schreiben will, braucht nichts von all diesem Kram, wenn man kein Talent und kein Gespür für Geschichten hat, sollte man es besser bleiben lassen!

Vielen Dank für Ihre Frage, die wir gut nachvollziehen können. Leider gibt es auf diesem Gebiet sehr viele selbsternannte Schreibgurus und unseriöse Angebote, die einem den einzig wahren Weg zum garantierten Superbestseller versprechen oder die ultimative Art, einen Roman zu schreiben, anbieten, etc., etc..

Natürlich hat niemand – auch keine Akademie der Welt – wirklich den Weg zum Bestseller anzubieten oder gar den zu Literaturpreisen – aber das hat auch kein Verlag. Was man allerdings durchaus lernen kann, ist das Handwerk des Schreibens: Wie baut man eine Szene auf? Was ist eine dreidimensionale Figur? Wo kommt der Höhepunkt hin? Wie funktioniert Konflikt?

Ob man dabei dann sklavisch seine Wendepunkte bestimmt ( und wehe, der erste kommt nicht nach 25 % des Textes!) sich mit der Prämisse beschäftigt (ohne die ist ja sowieso alles nix!), prinzipiell nur der Heldenreise folgt (alles andere ist nämlich echt krass oberflächlich!) – ist dann völlig egal, wichtig ist nur, sich damit zu befassen.

Man kann Plotten für ein satanisches Ritual von geistig Minderbemittelten halten und dafür lieber die Figuren-Archetypen herunterbeten. Man kann den Midpoint zum heiligen Gral erheben oder ihn als lächerliche Idee von Fernsehproduzenten abtun. Ob und wie man diese Techniken anwendet, ist ein zweiter Schritt. Zuerst gilt es, handwerkliche Fähigkeiten auszubilden und dazu gehört zum Beispiel der korrekte Gebrauch von Rechtschreibung und Grammatik, natürlich klingende Dialoge zu formulieren oder die Verwendung von Bildern, Vergleichen und Metaphern, die man gut beherrschen sollte, wenn man für eine Öffentlichkeit schreiben möchte.

Darauf aufbauend sollte man sich mit Dramaturgie befassen – viele machen das aus dem Bauch heraus richtig. Aber ganz oft kommt man mit dem Roman nicht weiter und bei näherem Hinsehen liegt der Hund dann eben doch in der dramaturgischen Sickergrube begraben. Erst wenn man all diese Techniken beherrscht, kann man sie sinnvoll und für sich selbst passend nutzen, neue Formen entwickeln und mit Erwartungen spielen.

Unser Credo ist immer: Solange du in deinem Text gut vorankommst, vergiss die Schreibtipps. Aber wenn du ins Stocken gerätst, nicht weiter weißt oder gar alles hinschmeißen willst – dann ist es gut, Handwerkszeug parat zu haben, mit dem man weiterarbeiten kann. Und wir schwören: Wir kennen keine/n AutorIn, die oder der ein Buch in einem Rutsch einfach so durchschreibt.

Nicht jeder braucht zur Vermittlung dieser Techniken Seminare an einer Schreibakademie. Manchen genügt die Lektüre von Büchern – von Schreibratgebern, die wir hier auch reichlich empfehlen, oder einfach von Belletristik, die man selbst analysiert, um auf die Geheimnisse des guten Erzählens zu stoßen. Arbeit muss man sich allemal machen, wenn man eine Geschichte so erzählen will, dass die LeserInnen begierig umblättern.
Allerdings ist es gerade für Anfänger schwer, den Transfer vom Schreibratgeber zum eigenen Stoff zu machen und genau darin unterstützen wir unsere TeilnehmerInnen. Bei uns kann nachgehakt werden, wir können andere Beispiele bringen und durch gezieltes Nachfragen, Aha-Erlebnisse befördern. Viele empfinden auch den Austausch im Real life mit anderen AutorInnen als hilfreich. Denn der Input von Außen kann einen zu Ideen führen, die man selbst nie hätte.  Aber schreiben muss man es dann schon selbst. Ganz allein.

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

 

 

Weiter hinten passiert dann mehr …

Charlotte K. aus Frankfurt schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, mehrere Agenturen haben meinen Roman abgelehnt, eine hat auf mein Nachfragen hin mitgeteilt, dass mein Anfang nicht spannend wäre und deshalb hätte man auch nicht weitergelesen! Das hat mich wirklich schockiert, ich finde, man kann doch vom Leser erwarten, dass er sich auf meine Story einlässt, dieser Roman ist doch viel mehr als nur der Anfang. Es soll sich ja auch alles noch steigern. Da muss ich doch nicht alles Pulver schon vorne verschießen oder liege ich da total falsch?

Vielen Dank für Ihre Frage. Leider leben wir im 21. Jahrhundert, es gibt sehr viele Möglichkeiten sich zu unterhalte und niemand hat viel Zeit übrig. Und nicht nur deshalb ist es mehr als sinnvoll den Anfang so spannend wie möglich zu gestalten. Um einen großartigen Autor zu zitieren:

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Mein erstes Buch: Marta Donato

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Marta Donato ist zielstrebig und ausdauernd vorgegangen – mit einem Fernlehrgang.

Liebe Marta, erzähl mal: wie kam’s zu deinem ersten Buch?
Bücher schreiben wollte ich schon immer. Mein ganzer beruflicher Werdegang, neben dem Schreiben, war auf das Buch, auf den Verlag ausgerichtet. Mir war jedoch auch klar, dass mein Germanistikstudium nicht die richtige Voraussetzung bot, um einen Roman zu schreiben, dass es dazu spezielles Rüstzeug braucht. Deshalb habe ich einen auf drei Jahre angelegten Schreibkurs an einer Fernakademie belegt. Während dieser Zeit kam mir dann der Zufall zu Hilfe. Auf einer Betriebsfeier habe ich die Frau eines Arbeitskollegen meines Mannes kennengelernt. Sie war als Autorin von Frauenromanen und Drehbüchern sehr erfolgreich. Sie hat mir dazu geraten, einen Agenten zu suchen, der Unterhaltungsliteratur vermittelt. Heute, fast dreißig Jahre später, kann ich sagen, ihr Rat war gut und hat funktioniert. Inzwischen sind einige Romane in verschieden Genres und mit unterschiedlichen Pseudonymen von mir erschienen und ich habe bei zahlreichen Anthologien mitgemacht.


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Geht Landschaft auch spannend?

Friedhelm Z. aus Grafing schreibt uns:

Liebe Münchner Schreibakademie, ich liebe es zu schreiben, vor allem Dialoge und Actionszenen, in denen viel passiert. Kein Wunder, ich arbeite an einem Thriller! Meine Testleser monierten aber, sie wüssten nicht, wie die Orte aussehen, an denen die Geschichte spielt. Ich hasse Landschaftsbeschreibungen, sollte ich vielleicht lieber auf Drehbuch umsatteln, schließlich fängt da die Kamera alles ein und ich muss es nicht ewig beschreiben?

Vielen Dank für diese interessante Frage. Um es vorwegzunehmen, ob Sie im Drehbuch besser aufgehoben sind, können wir zwar nicht beantworten, aber was die Landschaft angeht, da hätten wir ein paar Anregungen. Natürlich liest in einem Thriller kein Mensch ausufernde Landschaftsbeschreibungen, Sonnenauf- und untergänge, oder?

Äh – nein! Das stimmt so nicht.

Vielmehr ist es wichtig, dass das Setting, die Umgebung, in der die Geschichte stattfindet, tatsächlich eine Rolle spielt – auch im Thriller! Und zwar im Bezug zur erzählten Story. Wichtig ist dabei vor allem, dass die Umgebung aus Sicht der handelnden Figuren beschrieben wird. Damit wird die vermeintlich neutrale Umgebung zu einer wichtigen Facette, die mir nicht nur etwas über den Handlungsort erzählt, sondern auch über die Figur selbst und ihre Beziehung zu diesem Ort.

Eine ganz einfache Übung: Schildern Sie in verschiedenen Varianten, wie die Protagonistin über eine Brücke geht. Mal hat sie gerade erfahren, dass ihr Mann ermordet wurde, mal hat sie im Lotto gewonnen, mal ist die Brücke der Treffpunkt, an dem sie ihr entführtes Kind zurückbekommen soll, mal der Platz, an dem sie ihre große Liebe zum letzten Mal gesehen hat, bevor sie sich gegen diese Liebe und für die Rückkehr zu ihrer Familie entschieden hat. Es ist stets die gleiche Brücke, aber sie wird immer anders gesehen und genau darin liegt die Kunst der Landschaftsbeschreibung. Irgendwelche Berge haben nichts in Ihrem Thriller verloren, aber Berge, die in Bezug zum Helden, der Flucht, der Aufgabe, des Scheiterns stehen, sehr wohl. Wenn Sie sich die Mühe machen, diese Berge dann entsprechend zu skizzieren, werden Ihre Leser Ihnen gerne folgen – und Ihre Geschichte wird noch plastischer und nachvollziehbarer.

Zum intensiverem Studium empfehlen wir:
Mary Buckham: A Writer’s Guide to Active Setting: How to Enhance Your Fiction with More Descriptive, Dynamic Settings , Writers Digest, North Light, 2016

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

 

 

Mein erstes Buch: Thomas Kastura

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Bei Thomas Kastura haben die Töchter Papas Schrifsteller-Karriere angeschoben.

Lieber Thomas, was war der Anlass für dein erstes Buch?
Die Geburt meiner Töchter. Damals, 2000/2001, habe ich mich gefragt, was aus den beiden mal wird. Daraus entstand „Die letzte Lüge“, eine pädagogisch garantiert nicht wertvolle Vater-Tochter-Geschichte, eine Roadnovel, die der Verlag dann als Krimi bezeichnet hat. Bücher schreiben wollte ich schon von Jugend an, aber ich hatte noch nichts zu erzählen, bis ich dann Mitte 30 war, dann hatte sich Einiges angesammelt an Liebe und Leid, Gutem und Bösen.

Und wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Buch, sprich bis zur Veröffentlichung in einem Verlag gedauert?
Das ging ziemlich schnell. Zu Goldmann, wo „Die letzte Lüge“ erschien, hatte ich als Anthologie-Herausgeber bereits Kontakte (per Brief hergestellt, so wie man es eigentlich nicht macht). Für den Roman habe ich ungefähr ein Jahr gebraucht.

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Schwierig sind bei mir immer die Seiten 80 bis 120, da stecke ich oft fest und komme nicht weiter, trotz gründlichen Plottens, Exposé etc. Dann helfen Reisen, Tapetenwechsel, Recherche vor Ort, aber auch Gespräche mit Schriftstellerkollegen. Oder die Arbeit an einem ganz anderen Text, den man dazwischenschiebt. Aber Achtung: Man darf sich nicht verzetteln, leider ist das meine Spezialität.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Je öfter man über eine geplante Geschichte spricht, am besten mit Fachleuten (Agenten, Lektoren, Kollegen) oder mit sehr guten Freunden, desto besser. Zunächst einmal ist man bei solchen Unterhaltungen gezwungen, seine Ideen zusammenzufassen und zu gewichten, dadurch geht man souveräner mit der Story um. Außerdem sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht, und dann es ist oft so, dass einen Außenstehende auf das Offensichtliche stoßen. Also: nicht nur schreiben, sondern auch darüber reden.

 

Thomas Kastura schreibt für Erwachsene und auch Jugendliche. Als letztes erschien bei Droemer sein spannender Roman „Dark House“. Darum geht’s:
Da waren’s nur noch neun.
Es war eine unverzeihliche Verrücktheit. Zehn Jahre ist es her, dass John und seine Freunde als Abschluss ihres Studiums in einem verlassenen Gebäude ein »Dark House« einrichteten: mehrere völlig abgedunkelte Räume, in denen nichts zu sehen, aber alles erlaubt war. Wie weit würden sie gehen? Würden sie nach dieser Grenzerfahrung noch dieselben sein? Kurz darauf verübte eine junge Frau aus der Gruppe Selbstmord, über den niemals wirklich gesprochen wurde. Nun wollen die Freunde endlich Licht ins Dunkel bringen und treffen sich auf Johns Anwesen an der felsigen Küste von Dorset. Doch kaum ist ein Tag vergangen, liegt einer von ihnen tot auf den Klippen – der Beginn eines tödlichen Reigens …

 

Wer hier oder auf unserer Facebook-Seite bis zum 04. April einen Kommentar hinterlässt, kann seinen neuen Jugend-Thriller aus dem Arena-Verlag gewinnen. Darum geht’s in „Please identify! Auf der Jagd nach Laura Adams“ :
Als Laura auf Interrail-Tour ist, taucht auf ihrem Online-Profil plötzlich ein peinliches Foto auf, das sie garantiert nicht selbst hochgeladen hat. Doch Laura kann das Bild nicht löschen, sie hat keinen Zugriff mehr! Dafür aber Tausende von anderen Usern, die in Lauras Namen zu gefährlichen Aktionen und Flashmobs aufrufen. Schnell geraten die Dinge nicht nur im Internet außer Kontrolle – bis schließlich sogar die Polizei auf der Jagd nach Laura ist.

 

Foto des Autors: Cornelia Daig-Kastura
Homepage des Autors: http://www.thomaskastura.de/kat5.php

 

 

 

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Hilfe! Ich brauche einen Masterplan!

Julia K. aus Salzburg schreibt uns:

Liebe Münchner Schreibakademie, wahrscheinlich ist das eine ganz blöde Frage: Ich weiß genau wie der Anfang und das Ende meines Romans gestrickt sind, aber ich habe keine Ahnung, wie ich das Dazwischen meistern soll. Gibt es so etwas wie den genialen Masterplan?

Vielen Dank für Ihre Frage, die uns ein von Herzen kommendes „Leider nicht!“ entlockt hat. Nach unseren Erfahrungen als Romanautoren und als Seminarleiterinnen haben wir festgestellt, dass für jede AutorIn etwas anderes DER Masterplan zum eigenen Roman ist.

Man unterscheidet ganz grob Plotter und Pantser. Plotter, das sind die Autorinnen, die ihren Plot outlinen, also: durchplanen und dann erst losschreiben – wie z.B. Suzanne Collins bei „Die Tribute von Panem“. Die anderen bleiben geduldig auf ihren Pants, also den Hosen, sitzen wie Stephen King. Sie schreiben sich einmal durch die Geschichte, die dann erst in einem ausführlichen Überarbeitungsprozess ihre endgültige Form bekommt. Dann gibt es noch Bojenschreiber: Sie schreiben erst alle Szenen, die ihnen am Herzen liegen, das sind dann die Bojen, und danach verbinden sie dann die Geschichte mit all den Szenen, die noch fehlen.

Aber ganz generell kann man sagen, dass es für Anfänger sinnvoll ist, zu planen, das heißt, sich mit Plot und Dramaturgie zu befassen, also mit den Meilensteinen, die einen Plot voranbringen. Die wichtigsten sind: Das auslösende Ereignis, der erste und zweite Wendepunkt, der Midpoint und am Ende die Climax.
Und selbst wenn sich diese Meilensteine beim Schreiben verändern, ist es trotzdem sehr hilfreich, vorher darüber nachzudenken. Oft ist man verblüfft, wo einen das hinführt und welche weiteren Ideen sich dadurch ergeben! Versuchen Sie also am besten verschiedene Methoden aus – googeln Sie doch mal nach der „Schneeflockenmethode“ oder der „Schreib-Matrix“ – und entscheiden Sie sich für die, mit der Sie am weitesten kommen – vielleicht ist es auch eine vollkommen neue und andere Chaosmethode, die nur zu Ihnen passt! Wir würden uns freuen, wenn Sie uns berichten, was Ihnen wirklich geholfen hat. Vielen Dank!

Heute haben wir gleich mehrere Buchtipps:

Sehr lesenswert für Pantser – aber auch für jeden anderen Autor, denn das Buch unterscheidet sich erfrischend von vielen anderen, immer gleichen Ratgebern: Story Trumps Structure von Steven James, Ohio 2014
Für Plotter gibt es viele Bücher, aktuell und aufs wesentliche reduziert: Take off your pants von Libbie Hawker, San Juan County, 2015
Und für begeisterte Strukturalisten empfehlen wir: Story Engineering von Larry Brooks, Cincinnati, 2011

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

Alles eine Frage der Perspektive …

Lukas F. aus Füssen schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, ich habe meinen Fantasyroman jetzt komplett durchgeplottet, alles recherchiert, und meine Figuren stehen auch. Aber ich frage mich, in welcher Perspektive ich schreiben soll. Haben Sie einen Tipp für mich?

Vielen Dank für Ihre Frage. Es ist auch für uns nicht immer einfach, sich für eine Perspektive zu entscheiden. Ohne Ihren Stoff genauer zu kennen, können wir natürlich keine Empfehlungen aussprechen, aber vielleicht kann das Folgende ja dabei helfen, Ihre Entscheidung leichter zu machen.
Die Wahl der Perspektive hat deutlichen Einfluss auf die Dramaturgie der Geschichte, auf die „Stimme“ Ihres Textes und sie bestimmt die Möglichkeiten der Informationsvermittlung.
Der Ich-Erzähler ermöglicht die größte Nähe zwischen Figur und Leserin und kann viel Empathie erzeugen. Doch aus dieser Perspektive können Sie nur die Dinge erzählen, die dem Ich-Erzähler auch bekannt sind – das heißt, Sie schildern die Geschehnisse nur aus der Sicht einer Figur und können nicht beschreiben, was im Inneren einer anderen Figur vor sich geht, solange diese sich nicht in einem Dialog o.ä. dazu äußert.
Bedenken Sie auch: Ein Ich-Erzähler kann nur schwer Geheimnisse vor dem Leser verbergen! Wenn er z.B. einen Mord begangen hat und dies verheimlicht werden soll, in dem er einfach nicht daran denkt, ist das unrealistisch. Als bekäme man gesagt, man solle jetzt nicht an ein rotes Klavier denken. Geht nicht, oder?
Wenn Sie plötzlich (und womöglich nur einmalig) in die Innensicht einer anderen Figur wechseln, wird der Leser darüber stolpern und unschön aus der Illusion der Erzählwelt herausgerissen. Er spürt dann den Erzähler und wird daran erinnert, dass alles „nur“ ausgedacht ist. Und das will weder der Autor noch der Leser!

Wählen Sie hingegen einen allwissenden, den sogenannten auktorialen Erzähler, erlaubt Ihnen das wechselweise aus der Sicht jeder Figur zu erzählen. Sie schweben „gottgleich“über allen Figuren, berichten von Ereignissen, die in der Zukunft oder Vergangenheit liegen, geben Zusammenhänge zwischen den Figuren und jedwede Ihnen relevant erscheinende Information preis. Doch der auktoriale Erzähler schafft eine Distanz zwischen Figuren und Leserin, die zu dem erzählten Stoff passen muss. Oft wählt man diese Form etwa bei Familiensagas mit einem weiten zeitlichen Handlungsbogen und viel Personal. Doch aufgepasst: Sie sollten nicht zum großen „Erzählerguru“ werden, der die Figuren zu bloßen Marionetten degradiert.

In vielen Romanen gibt es heutzutage die multipersonale Perspektive. Man switcht also von einer Person – er/sie/es – in die nächste, entweder kapitelweise, von Szene zu Szene oder sogar innerhalb einer Szene. Letzteres muss jedoch handwerklich sehr geschickt gemacht werden, damit es den Leser nicht verwirrt. Er sollte nicht den Eindruck haben, man wechselt nur, um bequem eine Information vermitteln zu können.
Beim personalen Erzählen ist man recht nah an den Figuren, kann auch in die Köpfe der Protagonisten schauen, ohne wie bei der Ich-Perspektive zu beschränkt zu sein. Es ist aber auch möglich, die Ich-Perspektive der Hauptfigur mit anderen zu vermengen. Es könnte in Ihrem Roman also ein Feuerdrache aus der Ich-Perspektive erzählen, der Zombie aus einer personalen Er-Perspektive.

Um herauszufinden, welche Perspektive Ihnen am meisten liegt und welche am besten zu Ihrer Geschichte passt, gibt es nur einen Weg – Sie müssen es ausprobieren! Schreiben Sie das erste Kapitel oder die erste Szene aus den verschiedenen Perspektiven und entscheiden Sie dann, was sich richtig anfühlt. Und selbst wenn Sie erst später im Schreiben merken, dass die gewählte Perspektive falsch ist – ändern Sie sie!
Entscheiden Sie sich auf keinen Fall nur aus Bequemlichkeit für den leichtesten Weg – finden Sie vielmehr den, der zu Ihrem Stoff passt!

In vielen Ratgebern wird die Erzählperspektive angesprochen, aber besonders erhellend fanden wir das Kapitel bei James Woods: Die Kunst des Erzählens, rororo, 2013

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

Lernt uns auf der Leipziger Buchmesse kennen!

Wir freuen uns schon riesig und sind eifrig am Planen und Proben für unseren gemeinsamen Auftritt im Rahmen der Leipziger Buchmesse am Sonntag, den 26.03. um 14.30 Uhr

Dort dürfen wir im Lesetreff in Halle 2 unsere beiden nigelnagelneuen Arena-Bücher vorstellen, über Schein und Sein, Liebe in Zeiten von Youtube, Glamour und Glanz von Schein-Welten fabulieren und werden live eine neue literarische „Sportart“ ausprobieren: Das Impro-Plotting. Mit wenigen Vorgaben von Zuhörer*innen  werden wir live eine Geschichte erfinden.

Möchtet ihr uns also erleben? Dann kommt am Sonntag, den 26.3. um 14.30 Uhr zum Lesetreff in Halle 2. Wir freuen uns auf Euch!

Weitere Infos zur Veranstaltung gibt’s hier.

Und darum geht es in unseren neuen Büchern:

Luke ist schon lange Katis bester Freund. Dass sie mehr für ihn empfindet, will sie ihm
nach einer Party endlich sagen. Doch dann passiert ein tragischer Unfall, von dem Kati
schwere Narben davonträgt. Niedergeschlagen reist sie als Au-Pair nach L.A., wo ihr
Leben einen geradezu magischen Aufschwung nimmt. In einer Bar namens „LIVED“
findet Kati in den attraktiven Geschwistern Jeff und Lucy neue Freunde. All ihre Träume
scheinen plötzlich wahr zu werden. Doch die Glamour-Welt verbirgt etwas – und erst
mit Lukes Hilfe erkennt Kati, dass sie längst in einem Albtraum gefangen ist.

 

 

 

Franzi und ihre Mädels sind endlich 18! Aber irgendwie hatten sie sich das Erwachsensein
anders vorgestellt. Die Liebe ist immer noch ein großes Rätsel, die Zukunft ein schwarzes
Loch und für alles soll man plötzlich selbst Verantwortung übernehmen.
Auf YouTube wollen sie Jüngere „vorwarnen“, dass 18 werden nicht so cool ist, wie man denkt.
Vor allem Franzi ist voll in ihrem Element, als der Channel wächst und wächst. Doch dann
überschatten die Probleme der analogen Welt den Spaß an den Videos und Franzi muss sich
entscheiden, was sie will …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Spannung im Liebesroman? Warum das denn?

Eva H. aus Augsburg schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, ständig sagt meine Schreibgruppe, dass der Liebesroman, an dem ich arbeite, irgendwie langweilig ist. Sie finden, es fehlt an Spannung, aber ich schreibe doch keinen Actionthriller!! Was kann ich da tun?

Vielen Dank für Ihre Frage. Ohne Ihren Roman zu kennen, ist es natürlich schwierig, etwas Konkretes dazu zu sagen. Vielleicht liegt hier aber auch nur ein Missverständnis vor. Spannung bedeutet nicht, dass sich die Heldin wie Tarzan von Ast zu Ast schwingt und bösartige Gangster mit Maschinengewehren jagt. Spannung sorgt dafür, dass die Leserin das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann – egal in welchem Genre. Daher sollte Spannung in jeder Szene enthalten sein. Auch in vermeintlich „harmlosen“ Flirt oder Kussszenen.
Vereinfacht gesagt, entsteht Spannung dadurch, dass Figur A das Gegenteil oder etwas anderes will als Figur B. Es muss also ein Konflikt vorkommen, nein das ist missverständlich, der gesamte Roman lebt von Konflikten. Das bedeutet nicht, dass alle Figuren in ständigem Kampf miteinander liegen. Konflikte können auch ganz zart unter der Oberfläche brodeln. Ihre Heldin geht z.B. mit dem Helden essen, er träumt von weißen Tischdecken und Haute Cuisine, sie von einer Bratwurstsemmel. Da keiner offen darüber redet, wird der Abend für mindestens einen nicht so, wie er oder sie es sich gewünscht hat. Man kann auch sagen, für einen der beiden geht gerade etwas schief. Und genau so entsteht Spannung. Denn wir fragen uns: Wie gehen die beiden damit um? Und weil wir das wissen wollen, lesen wir weiter. Voilà – es ist spannend!

Natürlich ist das alles noch ein wenig verzwickter, denn zur Erzeugung von Spannung ist es auch wichtig, die Handlung mit den Emotionen der Figuren zu koppeln. Wie man so etwas macht, erklären wir ausführlich in unseren Seminaren. Vielleicht möchten Sie hier aber schon einmal in diesem Klassiker nachlesen: The fire in Fiction von Donald Mass, 2009

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de

 

Wer braucht schon meine Geschichte?

Klaus M. aus Freiburg schreibt uns:
Liebe Münchner Schreibakademie, so gern ich auch schreiben würde, macht das denn überhaupt Sinn? Es gibt doch schon soooo viele und auch so gute Geschichten, wer braucht denn da noch eine von mir?

Vielen Dank für Ihre Frage, die wir uns auch selbst immer wieder stellen. Denn natürlich könnte man sagen, alle interessanten Geschichten haben Sophokles, Swift und Shakespeare schon längst erzählt, lassen Sie es gut sein.
Aber das wäre so, als dürfte man keine neuen Pizzarezepte erfinden, weil es schon alles gibt, inklusive Pestopommespizza, die ja nun wirklich etwas fragwürdig ist. Geben Sie sich selbst die Erlaubnis, das Romanpendant zu einer solchen Pizza zu schreiben – das könnte der Renner werden! Genau wie eine Pizza aus den immer gleichen Grundzutaten besteht, macht der Mix doch den Unterschied – und so ist es bei Geschichten auch.
Auch wenn das gerade ganz schön flapsig geklungen hat, meinen wir das durchaus ernst. Meist verbergen sich hinter einer solchen Frage Ängste, die einen daran hindern, kreativ zu werden. Man fürchtet, man wäre nicht gut, klug oder begabt genug. Fragen Sie nicht, ob die Welt Ihre Geschichte braucht, sondern ob Sie der Welt eine Geschichte erzählen wollen!
Manche Erzähltheoretiker gehen davon aus,  dass es – wenn man es ein wenig überspitzt formuliert – sowieso nur zwei Grundgeschichten gibt: „Ein Fremder kommt in die Stadt“ und „Jemand begibt sich auf eine Reise“ – und wenn man das weiterdenkt, ist der Reisende auch irgendwann der ankommende Fremde … in diesem Sinne: Was ist Ihre Variante der Geschichte? Wir sind gespannt darauf!

Falls Sie mehr darüber erfahren möchten, warum man sich gerne selbst ausbremst und wie man das verhindern kann, hier ein Buchtipp für Sie: Mastering Creative Anxiety von Eric Maisel, 2011

Wer beim Planen oder Schreiben nicht weiterkommt, darf uns gerne kontaktieren – wir werden Ihre Probleme stellvertretend vorstellen und knackige Sofort-Hilfe-Tipps geben (wenn möglich mit Buchempfehlungen zum Vertiefen des Themas). Fragen bitte schicken an: schreib@münchner-schreibakademie.de