Mein erstes Buch: Sylvia Englert

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend, aber eines ist klar: Ohne Durchhaltevermögen hätte es niemand geschafft. Heute erzählt Sylvia Englert, auch als Katja Brandis bekannt, welche Umwege sie ging, bis das erste Buch erschien. Viel Spaß!

Brandis_Englert_2010Was war der Anlass, wie kam es dazu, dass du dein erstes Buch geschrieben hast?
Ich hatte als Jugendliche schon sehr, sehr viel geschrieben, meine Schublade quoll über vor Manuskripten (ich glaube, es waren etwa 15 komplette Jugendromane). Keins davon hat jemals das Licht der Verlagswelt erblickt. Dann sah ich, mittlerweile Studentin, den Aushang am Schwarzen Brett meines Instituts. Hohlbein-Preis, Ueberreuter Verlag. Aha. Fantasy-Manuskript für Jugendliche gesucht. Einsendeschluss Herbst. Schaff ich locker, dachte ich gut gelaunt, immerhin ist es erst Sommer. Ganze vier Jahre und viele Zweifel, Plot-Sackgassen und Überarbeitungen später hatte ich das Manuskript fertig. Längst hatte irgendjemand anders den Hohlbein-Preis gewonnen. Das machte nichts. Es hatte einen Höllenspaß gemacht, mir eine eigene Welt auszudenken, eigenartige Wesen zu erfinden und meine Figuren in die übelsten Schwierigkeiten zu bringen. Herausgekommen ist mein erster später veröffentlichter Roman „Der Verrat der Feuer-Gilde“.

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Mein erstes Buch: Alice Pantermüller

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend, aber eines ist klar: Ohne Durchhaltevermögen hätte es niemand geschafft. Auch bei Alice Pantermüller hat es ein wenig gedauert, bis der Erfolg kam.

AlicePLiebe Alice, wir sind neugierig: Was war der Anlass, wie kam es dazu, dass du dein erstes Buch geschrieben hast?
Ich habe schon als Kind „Bücher“ geschrieben, habe Schulhefte gefüllt, die ich mit Cover, Illustrationen und sogar dem Schriftzug eines bekannten Kinderbuchverlages versehen habe. Allerdings gab es anschließend eine längere Pause.
Erst mit Anfang dreißig habe ich wieder losgelegt. Ich hatte ein kleines Kind und war ziemlich angebunden. Und eine gute Freundin von mir, mit der ich während des Studiums so allerlei kreativen Unsinn ausgeheckt habe, hatte es ins Sauerland verschlagen. So entwickelten wir die Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben, etwas, was man auch auf die Entfernung machen konnte. Wir gingen mit viel Elan daran, hatten allerdings beide noch nicht die Möglichkeit, E-Mails zu verschicken. Daher haben wir unsere ausgedruckten Seiten damals noch auf dem Postweg versandt. Das war 1999. Irgendwann schlief die Sache dann von ihrer Seite aus ein, da sie auch beruflich ziemlich gefordert war. Ich hingegen hatte gerade meinen zweiten Sohn bekommen und war mit zwei kleinen Kindern zu Hause. Und ich brauchte geistigen Input. Oder auch Output! So habe ich die Geschichte allein zu Ende geschrieben. Ein Manuskript von etwa 600 Normseiten, eine skurrile Science-Fiction-Geschichte für Erwachsene. Okay, es wurde niemals veröffentlicht. Aber für mich ist es mein erstes Buch. Mein erstes veröffentlichtes Buch war ein kleines Sachbüchlein über die englische Sprache, aber so richtig los ging es mit „Bendix Brodersen – Angsthasen erleben keine Abenteuer“. Die Geschichte hatte ich ursprünglich nur für meine beiden Jungs geschrieben, als sie im Grundschulalter waren. Es war eine Dinosauriergeschichte und sie ist entstanden, weil ich kaum Dinogeschichten für meine beiden Jung-Paläontologen gefunden habe, es gab fast nur Sachbücher. Immer, wenn ich ein Kapitel fertig hatte, habe ich es den beiden abends am Computer vorgelesen.

BendixWie ist das Manuskript dann zu einen Verlag gekommen?
Während ich andere Kindergeschichten an Verlage geschickt habe, an Agenturen und auch mal zu Wettbewerben, träumte meine „Insel der Dinosaurier“ – so der Arbeitstitel – ein paar Jahre lang in meinem PC vor sich hin.
Dann las ich von einem Schreibwettbewerb, den der Arena-Verlag zusammen mit einer literarischen Agentur und einer Münchner Zeitung veranstaltete. Ich durchforstete meinen PC nach geeigneten Geschichten und stolperte über die Dinosaurier … las die Geschichte noch einmal durch … und fand sie richtig gut! Daher habe ich die Geschichte noch einmal überarbeitet, ein paar Ungereimtheiten geglättet und dann zum Wettbewerb geschickt. So wie ungefähr 200 andere Leute auch. Aber ich habe tatsächlich gewonnen!

Was hat dir am meisten geholfen bzw. was waren die größten Hindernisse auf dem Weg zum fertigen Buch? 
Am meisten hat mir das Gefühl geholfen, es irgendwann zu schaffen. Ohne Zeitdruck, ohne irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Ich war zu dem Zeitpunkt, als mein erstes Buch veröffentlicht wurde, in einer Schreibgruppe, ich war in einem Kinderbuch-Forum aktiv, ich hatte Vergleich und Rückmeldung und das hat mir das Gefühl gegeben: Ja, du bist gut genug. Irgendwann klappt es. Und wenn es auch noch ein paar Jahre dauert. Ich wusste, dass es normal ist, Absagen von Verlagen zu erhalten, daher konnte ich gut damit umgehen. Ich bin nicht sonderlich selbstbewusst, aber ich hatte immer die Vorstellung: Irgendwann geht es los. Mit einem richtigen Buch in einem richtigen Verlag. Mit diesem Gefühl stößt man auch kaum auf Hindernisse. Obwohl ich sowohl damals als auch heute wunderbar im Prokrastinieren bin. Es gibt ja immer soooo viele Dinge, die unbedingt zuerst erledigt werden müssen …

Hast du noch einen Tipp für angehende Romanautoren?
Wer schreiben will, muss schreiben. Und immer dabeibleiben (was nicht heißt, dass man sich nicht auch mal Pausen gönnen darf). Ich kann auch nur dazu raten, sich einer oder mehreren Schreibgruppen oder Autoren anzuschließen, um sich mit anderen auszutauschen, denn Schreiben ist eine einsame Beschäftigung und man bekommt schnell einen Tunnelblick beim Umgang mit eigenen Texten. Kritikfähigkeit, Offenheit, die Freude am Schreiben und der Glaube an sich selbst sind beste Voraussetzungen, um seinen Traum zu verwirklichen, Autor zu werden.

Ganze 24 Bücher kann man sich inzwischen von Alice Pantermüller ins Regal stellen. Dazu gehört vor allem die erfolgreiche Reihe „Mein Lotta-Leben“ – im Juni erscheint bereits Band 8 – Kein Drama ohne Lama. Darum geht’s:
LinniLottalebenLotta und die 6b fahren auf Klassenfahrt an die Ostsee. Im Landschulheim erwarten sie neben einer Herde Pferde (samt Lama) auch eine Horde Achtklässler. Um die in die Flucht zu schlagen, müssen sich die Wilden Kaninchen mit ihren schlimmsten Feinden verbünden – den Rockern und den Lämmer-Girls. Zum Glück hat Lotta ihr Anti-Berenike-Spray dabei. Und ihre Blockflöte.

Neu gibt’s jetzt auch noch „Linni von Links“:
Linni von Links will endlich berühmt werden: Seit ihre legendäre Uroma Emilie damals ein großer Star in Hollywood war, sind nämlich alle Frauen der Familie von Links berühmt geworden. Sogar Linnis kleine Schwester Frida war neulich in der Zeitung – mit Foto! Jetzt ist Linni an der Reihe: Mit ihren Gedichten wird sie die Welt erobern. Doof nur, dass außer Linni keiner ihre Gedichte gut findet. Und dann taucht auch noch eine griesgrämige alte Dame auf, die ihre Pläne durchkreuzen will. Ob Linnis Wunsch doch noch in Erfüllung geht?

 

Foto Alice Pantermüller: Thomas Friemel

 

 

 

 

 

 

Inspiration-Freitag: tierische Typen

Heute frisch aus der „Inspiration-Bag“: Eine Schreibübung und ein paar Dinge, die Deiner Phantasie einen kleinen Schubs geben sollen.

Manche Menschen erinnern uns an Tiere – sehen aus wie ein Frettchen, machen Geräusche wie ein Elefant oder riechen nach Schweinestall. Lass dich von unserem Foto zu einer Figur inspirieren, die einem bestimmten Tier ähnelt und (er-)zähle ihre Eigenschaften auf.

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Foto: Bettina Brömme

Mein erstes Buch: Krystyna Kuhn

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend, aber eines ist klar: Ohne Durchhaltevermögen hätte es niemand geschafft. Heute erzählt Krystyna Kuhn vom langen Weg zum ersten Buch. Viel Spaß!

PorträtKrystynaLiebe Krystyna, verrate uns doch mal: Was war der Anlass, wie kam es dazu, dass du dein erstes Buch geschrieben hast?
Ich habe eine Ausschreibung des Münchner Literaturhauses zum Thema „Spannungsroman“ gelesen und mich mit dem Anfang eines Krimi-Manuskripts beworben: Eine Illustratorin, die Fische hasst, aber ein Fischlexikon bebildern muss. Als ich tatsächlich nach München eingeladen wurde, konnte ich es kaum glauben. Drei Wochen Seminare im Literaturhaus mit Kollegen und professionellen Lektoren verteilt über ein ganzes Jahr haben mich dazu gebracht, das Buch tatsächlich zu Ende zu schreiben.

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Rezi-Dienstag: Wonderbook

Hier stellen wir euch Bücher vor – Schreibratgeber, aus denen wir etwas lernen konnten oder Romane, aus denen wir erst recht etwas lernen konnten.

WonderbookWonderbook von Jeff Vandermeer, Abrams Image, 16,95€, in englischer Sprache

Darum geht’s:
Jeff Vandermeers „Wonderbook“ ist sehr viel mehr als ein Schreibratgeber: Hier gibt es wunderschön-wilde Illustrationen, Grafiken, Interviews mit KollegInnen, Verweise ins Internet, Gemälde und vieles mehr. Vandermeer geht auf die Bereiche Inspiration und kreatives Leben ein, auf das Ökosystem einer Geschichte, Anfänge und Schlüsse, erzählerische Konzepte, Figurenzeichnung, Weltenerschaffung, Überarbeitung und es gibt jede Menge praktische Tipps.

Das überzeugt:
Eins vorneweg: Für dieses Buch sollte man Zeit mitbringen – allein das Blättern im Buch macht so viel Spaß, dass man es kaum beiseite legen kann. Egal wo man es aufschlägt, sofort zieht einen irgendein Element in seinen Bann. Eine ungewöhnliche Grafik, die etwa Prota- und Antagonisten klug und übersichtlich gegenüberstellt, ein Gemälde mit schaurigen Drachen wie aus einem Gothic-Roman, Hintergrund für die Analyse einer Action-Sequenz. Der Gastbeitrag eines Autors, der erklärt, wie ein Gemälde seiner Story eine Richtung gibt und vieles mehr. Gerade als noch nicht ganz so erfahrener Autor bekommt man hier noch mal alle gängigen Kniffe erklärt, die man braucht, um seine Romanwelt zu erbauen. Das ungewöhnliche Layout und Design inspiriert einen, tiefer über das Erklärte nachzudenken, in die Materie einzudringen. Die wichtigsten Elemente, die man braucht, um ein Buch zu schreiben, kommen alle zur Sprache. Und noch dazu auf eine humorvolle, niemals belehrende Art.

Das nicht so:
Wer es ganz klar und übersichtlich braucht, lässt sich hier gelegentlich ablenken, gerät auf Nebenpfade und verliert das Ziel aus den Augen. Allerdings: Wie anregend für die Phantasie ist das!

Typischer (Ab-)Satz:
„Welcome to Wonderbook. Before you begin, check your supplies. Make sure you have plenty of water, food, and at least some mountaineering equipment. Get lots of sleep. Always carry pen and paper with you; (…) Remember, too, that knowledge of the languages of strange talking animals is a plus when going on a real adventure. (…) Ready? You’re about to plunge into the middle of … everything.“

Das haben wir gelernt:
Okay, sagen wir: wir sind erinnert worden. Daran, wie unglaublich die Macht der Phantasie ist, welch wunderschöne, erschreckende, faszinierende, abstoßende, bewundernswerte Gedanken der Mensch hervorbringen und zu Geschichten verweben kann. Nie wird man ganz verstehen, wie Ideen, Gedankensplitter, Bilder plötzlich in einem auftauchen und sich in Geschichten manifestieren. Umso glücklicher kann man sein, wenn einem hier handfeste Tipps mitgegeben werden, um diesen Geschichten eine Gestalt zu geben.