Lebensechte Figuren erschaffen: Namen sind Schall und Rauch? Von wegen!

Es gibt viele Möglichkeiten, sich einer Figur zu nähern. Man kann zum Beispiel mit dem Namen anfangen. Das klingt erst mal sehr banal, doch Namen bringen das Wesen der Figur zum Ausdruck, müssen zum Setting passen und etwas über den Ton der Geschichte sagen.
Es ist ein sehr großer Unterschied, ob der Leser sich eine Emma vorstellt oder eine Emily. Für uns klingt Emma sanfter, gutmütiger, Emily dagegen quirliger und lebhafter.
Machen wir doch mal einen kleinen Test: Nehmen wir einen ganz banalen Satz und fragen uns, was wir spontan vor unserem inneren Auge sehen – nur weil wir bestimmte Namen lesen. Klicken Sie das erste Bild zum Vergrößern an und blättern Sie durch unsere Galerie.

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Mein erstes Buch: Ilona Einwohlt

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Wie Orangensaft eine Figur zum Leben erweckt und daraus gleich eine ganze Buchreihe ensteht – das hat Ilona Einwohlt erlebt.

EinwohltLiebe Ilona, erzähl uns bitte die Entstehungsgeschichte deines ersten Buches!
Um 2004, 2005 herum passierten mehrere Dinge gleichzeitig: Ich hatte eine Anti-Weihnachtsgeschichte mit einer sehr sympathischen Mädchenfigur als Beitrag für eine Anthologie geschrieben. Ich habe sie Sina genannt, weil ich zu diesem Zeitpunkt schwanger war und literweise Orangensaft getrunken habe, so dass alle Welt meinte, mein Kind müsste ValenSINA heißen. Ich habe eine Tochter zur Welt gebracht, die bis heute meine sämtlichen feministischen Ansichten, Emanzipationsgedanken und Gendertheorien auf den Prüfstand stellt und die Farbe Rosa in meinen Haushalt gebracht hat. (Sie heißt nicht Valensina). Ich habe gemerkt, dass ich trotz aller Altersringe immer noch sehr Mädchen bin und angesichts spießiger Kindergartenmütter im Berlingo und Tupperpartys im Reihenmittelhaus mit Tschibodekoration deutlich jünger und rebellischer veranlagt bin als mein alltägliches Umfeld.
Das alles führte dann zu der Idee, eine Ratgeberreihe für Mädchen in der Pubertät zu schreiben, die ein neues Konzept aufweist und nicht „nur“ Ratgeber ist, sondern die Mädchen unterhält und für diejenigen unter ihnen, die mehr wollen, Informationen bereit hält. Inhaltlich sollte es um die typischen Themen aus dem hormonverwirbelten Alltag eines Mädchens gehen, also Pickel, Schule, Eltern, Jungs … Folglich gibt es zu jedem Thema der Serie eine passende Rahmenhandlung, eine Art Beispielgeschichte, und entsprechende Infoboxen mit Tipps, Übungen oder Rezepten, die in den Text eingeschoben sind, Fakten vermitteln, den Horizont erweitern, Zusammenhänge erklären. „Mein Pickel und ich“ ist bis heute aus den Regalen viele Mädchen nicht wegzudenken.
Heute schreibe ich Kinder- und Jugendbücher für verschiedene Altersgruppen, wobei der feministisch geprägte Mädchenkram nach wie vor mein Lieblingsthema ist, egal, ob es sich dabei um ein neues Sachbuch oder einen Roman handelt.

711fhDP-o0LWie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Buch gedauert?
„Mein Pickel und ich“ ist im Januar 2008 erschienen, zwischen Idee und Veröffentlichung lagen etwa zwei Jahre. Ich wollte zunächst nur einen Ratgeber schreiben, wir haben dann aber gemeinsam überlegt, dass eine Mischung aus Roman und Ratgeber viel zeitgemäßer und origineller ist. Ich hatte das Glück, während der Entstehungsphase sehr eng mit meiner Lektorin Kerstin Kipker und dem Arena-Verlag zusammenzuarbeiten.

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Schreiben ist für mich eine große Freude und Leidenschaft und (fast) nie schwierig. Das Einbringen von Tipps und Ratschlägen jedoch bedarf Einfühlungsvermögen und intensive Recherche, hier musste ich sehr diszipliniert und umsichtig arbeiten, Fachleuten Fragen stellen und meine Quellen dokumentieren. Schwierig war auch der (selbstgemachte) Erfolgsdruck, weil ich unbedingt etwas Tolles, Originelles schreiben wollte. Geholfen hat mir in diesem Fall die Professionalität des Verlages, der für die Cover-Gestaltung eine Agentur eingeschaltet hat und ohne dessen Konzept die Sina-Reihe nie zu der geworden wäre, die sie heute nach über zehn erfolgreichen Bänden ist. Und natürlich das feed-back der Leserinnen, die mir in unzähligen Mails von ihren Sorgen und Nöten geschrieben haben und für die Sina so etwas wie eine beste Freundin geworden ist.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
So lange du etwas zu sagen hast, so lange musst du schreiben! Ausprobieren, immer wieder neu erfinden, sich weder verbiegen noch in Schubladen stecken lassen. Und konkret: Präsenz und Interesse zeigen, auf Seminaren, Buchmessen, Tagungen … in meinem Fall ist es die Kinder- und Jugendbuch-Szene, der ich durch verschiedene Aktivitäten eng verbunden bin, sei es durch die Leitung eines Workshops oder der Teilnahme an Seminaren. Ich halte den Blick über den eigenen Tellerrand für überaus wichtig.

61A3EfFdQmLDutzende von Büchern später ist jetzt gerade ihr neuer Titel „Weil ich ein Mädchen bin“ erschienen. Dazu sagt die Autorin:
„Alles, was Mädchen wissen wollen“ – so der Untertitel – heißt es etwas lapidar in der Verlagssprache, tatsächlich geht es um lauter gute Antworten auf die schwierige Frage: Wie komme ich heute, 2016, als neues Mädchen in einer Gesellschaft mit immer noch vorwiegend alten, traditionellen Werten und Erwartungshaltungen klar? Schönheitskult, Medienbilder, Mädchenkrieg und Mädchenrechte sind nur ein paar Stichworte. Konkret gebe ich Tipps, Gedanken und Anregungen dazu, das Mädchen- bzw. Frauenleben selbstbewusst und gleichberechtigt zu gestalten. Ich hoffe, damit ein paar feministische Statements und Denkanstöße zu vermitteln! Das Sachbuch, das eigentlich mehr Coaching- und Essayband ist, wie ich finde, ist sehr ansprechend gestaltet und mit witzigen Illustrationen von Pe Grigio ausgestattet.

Foto der Autorin: privat

Homepage der Autorin: http://ilonaeinwohlt.de

Mein erstes Buch: Werner Gerl

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend.  Lyrik und die Bekanntschaft mit Verlegern kann auch eine gute Ausgangslage ergeben, erfuhr Werner Gerl.

AutorenfotoNeuLieber Werner, wie kam’s zu deinem ersten Buch?
Als Student hatte ich einigen regen Kontakt mit anderen Autoren, beispielsweise in Regensburg in einer Galerie, wo einmal im Monat ein offener Literaturabend stattfand. Dort konnte jeder seine Texte vorstellen. Aber auch privat stand ich mit einigen Freunden in regem Austausch. In einem Seminar lernte ich schließlich einen jungen Verleger aus Passau kennen, Thomas Reche, der bibliophile Bücher von Größen wie Hermann Lenz  druckte. Ihm gab ich einige Gedichte von mir und zwei Freunden. Einer gefiel ihm nicht, dafür meine Sachen und die von Stefan Greger. So entstand „Lila Zeiten“ mit ausgesprochen schönen Graphiken des Passauer Künstlers Otto Sammer in einer Auflage von 200 Exemplaren – alle handsigniert und nummeriert. Das war 1989 – ich war damals im zarten Alter von 23. Es blieb mein einziger Gedichtband, wenngleich ich noch weiterschrieb und einzelne Gedichte in Zeitschriften oder Anthologien unterbringen konnte.

LilaZeitenWie lange hat es dann von der Idee bis zur Veröffentlichung in einem Verlag gedauert? 
Das ging ratzfatz. Ein oder zwei Monate, genauer kann ich es nicht mehr sagen.

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Es hat mir geholfen, dass ich mit dem Verleger studiert habe und mit ihm befreundet war.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Wie mein Beispiel zeigt: Türen öffnen sich am leichtesten von innen … also lernt Lektoren und Verleger kennen. Im Ernst: Auch wenn es oft schwer fällt, weil jeder Text ein Kind von einem ist, das mit viel Herzblut erschaffen wurde: nehmt Kritik an und lasst euch nicht vom Lob der Freunde blenden. Ansonsten bin ich kein Freund des  Drauf-los-Schreibens. Ein Text braucht drei Dinge: Struktur, Struktur, Struktur. Lernt eure Protagonisten genau kennen. Erst wenn ihr wisst, was sie gern essen, was als Kind ihre Lieblingssendungen waren und wann sie zum ersten Mal Liebeskummer hatten, erst dann solltet ihr das Schreiben anfangen.

Im letzten Jahr ist Werner Gerls dritter Kriminalroman um die Kommissarin Barbara Tischler erschienen. Darum geht’s:

ChampagnerMörderChampagner, Bussibussi – und dazu ein bestialischer Mord! Die glitzernde Welt der Bogenhausener Schickeria bekommt einen brutalen Kratzer. Einem IT-Spezialisten wurden mit einem Samuraischwert die Kehle aufgeschlitzt und die Hände abgehackt. Das japanische Zeichen für 1/4 hat der Täter noch auf die Brust seines Opfers geritzt. Kommissarin Barbara Tischler sieht Verbindungen zu einem ganz ähnlichen Mord an einem syrischen Stricher. Bald zeigt sich, dass der Computerfachmann auf höchst dubiose Weise sehr viel Geld verdient hat. Und der Mörder hat noch weitere Opfer im Visier …
Bald rücken eine angesagte Cocktailbar und deren charismatischer Inhaber ins Zentrum der Ermittlungen. Auch eine Gruppe von Obdachlosen, die sich um ihren selbstverliebten Führer ‚Jesus‘ geschart hat, scheint mehr mit dem Fall zu tun zu haben. Also mischt sich Tischlers Assistent als Penner verkleidet unter die Berber.

Foto des Autors: Siegfried Bruckbauer

Homepage des Autors: http://www.wernergerl.de/

 

Mein erstes Buch: Micaela Jary

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Auch wenn eine Ausbildung zur Journalistin erst mal nur als Umweg zum Schreiben erscheint – sie kann auch zum ersten Buch führen.

Liebe Micaela, verrate uns doch: Wie kam’s zu deinem ersten Buch?
Autorenportrait_MJSeit ich denken und vor allem schreiben kann, wollte ich Schriftstellerin werden. Meine Ausbildung zur Redakteurin war daher nur Mittel zum Zweck. Obwohl ich immer schon Romane schreiben wollte und während meiner Mutterschutzzeit auch abgeschlossene Liebesgeschichten für die YellowPress schrieb, sah ich in einem Sachbuch die größere Chance zum Einstieg. Rückblickend kann ich mir das überhaupt nicht erklären, aber ich wollte unbedingt ein erzählendes Sachbuch machen. Mein Lieblingsthema war und ist die Kunstgeschichte, deshalb sollte mein erstes Buch von Kunstfälschern handeln. Ich hatte jedoch nicht mit den Vorbehalten gerechnet, auf die ich in der Verlagswelt stieß: Als Journalistin könne ich kein derartiges Buch schreiben, dafür müsste ich Kunstgeschichte studiert haben (Unsinn! Es handelte sich ausnahmslos um reine Recherchearbeit). Ich war dann so sauer, dass ich beschloss, ein Buch zu schreiben, für dessen Thema ich sozusagen prädestiniert war – die Geschichte des deutschen Nachkriegsfilms. Mein Vater war einer der erfolgreichsten Filmkomponisten jener Zeit, ich kannte fast alle Akteure persönlich, als Zeitungsfrau arbeitete ich im Showressort. Diese Vorgaben machte es einfach, gedanklich in die der 1950er Jahre einzusteigen.

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Die Münchner Schreibakademie bei Open Westend!

Wie jedes Jahr finden auch in diesem März wieder die offenen-Atelier-Tage „open Westend“ statt. Und diesmal macht auch die Münchner Schreibakademie mit einer geheimnisvoll-magischen „Gedichtmaschine“ mit.

Vom 11. bis 13. März öffnen wieder Künstler aus den Bereichen Sprache, Malerei & Bildhauerei, Musik, Fotografie & Video, Schmuck, Textil und andere die Pforten zu den Ateliers, Büros, Hinterhöfen und Werkstätten, in denen Kunst entsteht. Im ehemaligen Milchladen in der Bergmannstraße 28 stellt sich die Münchner Schreibakademie mit einer magischen Gedichtmaschine vor. Kommen Sie vorbei, berühren Sie die Maschine, lassen Sie Ihre Gedanken schweifen und sich überraschen, welches Gedicht, die Maschine für Sie ausspuckt. Und natürlich freuen wir uns auch über einen Plausch mit Ihnen – lernen Sie uns kennen!

Das Programm von „open Westend“ finden Sie hier.

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Mein erstes Buch: Moses Wolff

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Moses Wolff zeigt, dass man sich auch gerne selbst ausbeuten darf, um sehr originelle Romanfiguren zu erfinden.

Lieber Moses, wie kam’s zu deinem ersten Buch?
grübelndGemeinsam mit dem Filmemacher Richard Westermaier habe ich die Figur des Bergführers, Vernunftkritikers und Natur-Poeten Wildbach Toni für eine Web-Serie des endgültigen Satriemagazins TITANIC erfunden. Im Wildbachtoni steckt viel von mir selbst drin: Lebensfreude, eine Schwäche für schöne Frauen, Übermut, eine unbezwingbare innere Kraft und eine manchmal etwas ungewöhnliche Denkweise. Damit stand fest: ich schreibe einen Roman über den Wildbach Toni. Inzwischen gibt es ja bereits einen zweiten Band: Schrippenblues.

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