Mein erstes Buch: Alice Gabathuler

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Manchmal ist es das Beste, gar nicht erst mit einer Veröffentlichung zu rechnen.

alice-45Liebe Alice, wie kam’s zu deinem ersten Buch?
Ich entdeckte mit 39 das Internet und damit die Schreibforen. In einem Kurzgeschichtenforum lernte ich viel über das Schreiben und eignete mir das handwerkliche Rüstzeug an, das man für das Erzählen von Geschichten – nebst Talent – braucht. Mir wurde jedoch schon bald klar, dass mich die Figuren mehr interessierten als die Geschichten. Damit war auch klar, dass ich von den Kurzgeschichten weg wollte, hin zu langen Texten, in denen ich mich so richtig mit meinen Figuren auseinandersetzen und sie über einen längeren Zeitraum begleiten konnte. Ich erfand eine Figur, Nick, und schrieb ihm eine Geschichte. Völlig ohne Plan, ohne zu wissen, was passieren würde. Mich interessierte nur eins: Was tut ein Sechzehnjähriger, der sein Leben in den Sand gesetzt hat und ohne Zukunft dasteht? Ich fand es während des Schreibens heraus. Dass es schlussendlich ein Krimi wurde, liegt daran, dass ich selber gerne Krimis und Thriller lese.

Wie lange dauerte es bis zur ersten Veröffentlichung?
IMS5559_010_Gabathuler_Blackout_EK_121024_v01.inddLange. Ich weiß nicht genau, wie lange, aber von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung waren es wohl so um die sieben Jahre. Ich war Mutter von zwei kleinen Kindern und hatte zusammen mit einer Geschäftspartnerin eine eigene Schule. Schreiben war ein wunderbares Hobby, mehr nicht. Ich schrieb, wann ich Zeit hatte. Lernte ständig dazu. Verlor mich im Text, löschte unzählige Seiten, wurde besser, änderte, passte an, schliff und feilte. Nach rund vier Jahren hatte ich tatsächlich eine Geschichte! Damit machte ich mich ohne Illusionen auf die Verlagssuche. Aus verschiedenen Schreibforen wusste ich, dass ich praktisch keine Chance hatte. Für mich wäre das kein Elend gewesen. Ich hatte meine Geschichte, ich hatte einen guten Beruf und eine tolle Familie. Sollte es nicht klappen, würde meine Welt nicht untergehen. Meine ersten Bewerbungen bei Verlagen waren dann tatsächlich erfolglos. Eine Freundin fragte, ob ich es nicht via eine Agentur versuchen wollte. Sie empfahl mir ihren Agenten. Der strich mir erst einmal den ganzen zweiten Teil des Buches erbarmungslos zusammen und legte den Finger auf die wunden Punkte des Textes. Nie vorher und nie nachher hat jemand einen meiner Texte so gnadenlos auseinandergenommen. Aber ich habe weiter dazugelernt. Als ich den Text fertig überarbeitet hatte, nahm mich der Agent unter Vertrag (ja, erst dann). Er fand einen Verlag. Ich unterschrieb den Vertrag und musste dann noch mehr als ein Jahr auf die Veröffentlichung warten.

Was war besonders schwierig bzw. was hat dir geholfen?
Besonders schwierig war ganz lange nichts. Ich fand das alles aufregend und spannend, vor allem die Gespräche und Diskussionen in den Schreibforen. Erst das Warten auf das Buch nach dem Unterschreiben des Vertrags hat mich aufgerieben. Total. Ich habe dann in einem langen Prozess gelernt, dass man sich das Warten antrainieren muss, denn in der Buchbranche wartest du ständig auf irgendwas: auf Zu- oder Absagen von Verlagen, auf Verträge, auf lektorierte Texte, auf Veröffentlichungstermine. Heute bin ich noch einen Schritt weiter. Seit es die Möglichkeit des Self Publishing gibt, fühle ich mich viel freier und lebe nach dem Motto: Wenn kein Verlag den Text will, veröffentliche ich ihn selber.
Hast du noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Es gibt unzählige Schreibratgeber mit unendlich vielen Ratschlägen. Mein Tipp: Finde für dich heraus, welche für dich funktionieren und welche nicht. Und dann schreib so, wie es dir entspricht. Denn am Ende zählt nur, dass dein Text gut ist. Welchen Weg du dabei gegangen bist, ist nur für dich wichtig. Dann noch: Eigne dir eine riesige Portion Gelassenheit und Geduld an, am besten in der Kombination mit einem gesunden Humor – du wirst all das dringendst brauchen. Und erwarte nicht, vom Beruf Autor leben zu können. Die meisten können es nicht.

Mittlerweile schreibt Alice Gabathuler auch an ihrer erfolgreichen Serie „Lost Souls Ltd.“, der vierte Band erschien im Juli dieses Jahres. Darum geht’s:

Red Rage_CoverLost Souls Ltd. – So nennt sich die Untergrundorganisation um den jungen Fotografen Ayden, den kaputten Rockstar Nathan und den charmanten Verwandlungskünstler Raix. Sie alle haben als Opfer von schweren Verbrechen überlebt und dabei einen Teil ihrer Seele verloren. Nun verfolgen sie nur ein Ziel: Jugendliche in Gefahr aufzuspüren und zu versuchen, sie zu retten. Dabei kämpfen sie gegen Entführer, Mörder, das organisierte Verbrechen – und gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit.
Ein leerer Wagen auf einer Klippe. Aydens Jacke auf dem Rücksitz, Geld und Ausweise in den Taschen. Im CD-Laufwerk steckt das dritte Album von Black Rain, der Lautstärkeregler ist voll aufgedreht. Das dazugehörige Booklet eingeklemmt unter dem Scheibenwischer, aufgeschlagen beim Text von Suicide Embrace, wie ein Abschiedsbrief. Kata und Nathan glauben nicht an Selbstmord. Und dann wird in einer Garage ein Toter gefunden. Das ist der Beginn eines Rachefeldzugs. Sein Ziel: Lost Souls Ltd. zu vernichten.

Alice Gabathuler wurde 1961 in der Schweiz geboren, ist im St. Galler Rheintal aufgewachsen und immer noch dort wohnhaft. Als Jugendliche entdeckte sie das Schreiben als Ausdrucksmittel, später setzte sie es in verschiedenen Berufen ein und um. So war sie unter anderem Radiomoderatorin, Werbetexterin und führte im Team mit ihrer Co-Partnerin fünfzehn Jahre lang eine private Sprachschule. Seit 2009 ist sie freiberufliche Autorin. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Mein erstes Buch: Kathryn Taylor

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Auffällig ist: Viele Autoren spüren schon in jungen Jahren die Anziehungskraft des Schreibens.

KathrynTaylor_gruenLiebe Kathryn, erinnerst Du Dich: Was war der Grund für dein erstes Buch?
Das Weihnachtsgeschenk für meinen Vater. Ich war damals 15 und beschloss im Sommer, dass ich ihm einen Roman schenken wollte, den ich selbst geschrieben hatte. Also schloss ich mich wochenlang jeden Mittag nach der Schule in meinem Zimmer ein und schrieb einen ungefähr 100 Seiten langen Jugendkrimi mit Liebesgeschichte. Rein thematisch so gar nichts für meinen Vater, aber er hat sich über das Ergebnis trotzdem gefreut – und ich hatte die bis dahin schönsten Monate meines Lebens verbracht und endgültig meine Liebe zum Schreiben entdeckt. Wirklich aufgehört habe ich damit seitdem nie mehr, es sind immer neben Beruf und Familie Geschichten entstanden – oder zumindest Ideen dazu. 2012 hat es dann mit dem ersten richtigen Buch geklappt („Colours of Love“), und da es sehr erfolgreich war, ist mir damit auch direkt ein richtiger Durchbruch gelungen – eine Tatsache, für die ich immer noch sehr dankbar bin.

colours-of-love-entfesseltWie lange hat es beim ersten „richtigen“ Buch von der Idee bis zur Veröffentlichung in einem Verlag gedauert?
Gar nicht lang, nicht mal ein halbes Jahr. Der Verlag wollte gerne so eine Geschichte wie die „Colours“ und hat das Buch dann auch relativ schnell rausgebracht. Das war natürlich toll, dass ich nicht lange warten musste, bis ich mein „Baby“ gedruckt in den Händen halten konnte. Geduld gehört nämlich nicht zu meinen Stärken, und ich kann den Erscheinungstag immer kaum abwarten.

 

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Man braucht schon einen langen Atem und viel Disziplin, um eine Geschichte von vorne bis hinten so zu erzählen, dass andere sie gerne lesen mögen. Ideen sind schnell geboren, aber sie mit konkretem Leben zu füllen, den Figuren Namen zu geben, die Handlung genau festzulegen und am Ende alles Szene für Szene aufzuschreiben – das ist schon jedes Mal wieder eine große Herausforderung. Und trotz aller guten Planungen kann es vorkommen, dass man beim Schreiben plötzlich feststeckt. Es geht dann einfach nicht mehr weiter, man tritt auf der Stelle, weil man die Szene, die einem vorschwebte, einfach nicht so zu Papier bekommt, dass man damit zufrieden ist. Dann hilft es mir immer, die Geschichte mit jemandem zu besprechen. In der Regel ist es meine Lektorin, die mir dann den „Blick von außen“ bietet und mit mir zusammen analysiert, was das Problem ist, aber ich habe diese Stellen auch schon mit meiner Agentin, meinem Mann oder befreundeten Autoren besprochen. Meistens liegt es nämlich am Plot, irgendetwas greift dann doch nicht so ineinander, wie man sich das vorgestellt hatte, und wenn man gemeinsam überlegt und Möglichkeiten durchgeht, löst sich der Knoten wie von selbst und es geht wieder weiter. Ich liebe diesen Austausch inzwischen, es macht einfach sehr viel Spaß, mit jemand anderem über die Figuren sprechen zu können, und es ist für mich ein unverzichtbarer Teil des kreativen Prozesses beim Bücherschreiben geworden.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
Lesen. Lesen. Lesen. Ganz viel und ruhig querbeet, aber ganz besonders natürlich in dem Genre, in dem man selbst schreiben möchte (ergibt sich ja meistens aus dem, was man selbst am liebsten liest). Und immer kritikfähig bleiben. Autoren, die von sich glauben, sie seien schon perfekt und ihre Texte bräuchten keine Überarbeitung mehr, können sich nicht weiterentwickeln – und werden an dieser Tatsache schnell scheitern. Man lernt definitiv nie aus.

91yrH26vOwL._SL1500_Nach der Bestseller-Erotik-Reihe „Colours of Love“ freuen sich die Fans nun über die spannend-romantische „Daringham Hall“-Serie, deren dritter Teil „Die Rückkehr“ im Dezember erscheint. Darum geht’s:
Kann sie Ben das wirklich antun? Kate weiß, dass ihr Geliebter nur ihretwegen nach Daringham Hall zurückgekehrt ist. Doch Tag für Tag muss sie mit ansehen, wie alle seine Versuche, Gut und Herrenhaus für die Familie zu retten, ins Leere laufen. Dann streut auch noch jemand den Verdacht, Ben selbst hätte durch eine zu riskante Geschäftsstrategie das Ende besiegelt. Er ist todunglücklich – und Kate, die das kaum ertragen kann, beschließt verzweifelt, ihn gehen zu lassen…

Foto der Autorin: Kathryn Taylor

Mein erstes Buch: Ralf Kramp

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Auch mit Ruhe und Gelassenheit kommt man zur Veröffentlichung, weiß Ralf Kramp.

Lieber Ralf, wie entstand dein erstes Buch?
kbv-022011-035Schon in der Schulzeit habe ich eine Unmenge von Krimis verschlungen und habe immer das Gefühl gehabt, dass Autoren Menschen von einem anderen Stern sind, Poeten im Elfenbeinturm, die in unserem wahren Leben nicht existieren. Wohlgemerkt, das ist über dreißig Jahre her. Heute sieht das ja ganz anders aus. Ich habe damals schon geschrieben. Geschichten, kleine Krimis, nur zum persönlichen Vergnügen. Und mit dem Erwachsenwerden wurden auch die Themen reifer, und irgendwann hatte ich eine Idee, um die herum ich eine immer komplexer werdende Geschichte zu spinnen begann: Es fing an mit der Erkenntnis, dass im stillen Refugium der Eifel, meiner Heimat, so mancher Täter aus dem Dritten Reich nie so recht für seine Taten hat büßen müssen, und dass deren Verbrechen teils stillschweigend in Vergessenheit gerieten. Hinter vorgehaltener Hand natürlich wusste jeder etwas über die alten Herren zu erzählen, die hier unbehelligt ihren Lebensabend verbrachten. Die Eifel – so habe ich damals herausgefunden – ist ein unfassbar reicher Schauplatz für Kriminalgeschichten. Und so habe ich begonnen, eine zu verfassen.

Wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Buch, sprich die Veröffentlichung in einem Verlag gedauert?
Cover_Tief_unterm_LaubDa ich nie mit dem Gedanken einer Veröffentlichung spielte, als ich den Roman „Tief unterm Laub“ schrieb, ging alles ganz gemächlich vonstatten. Das Verfassen des Manuskripts hat sicher zwei Jahre gedauert. Es war ein sehr persönliches Vergnügen, nur für mich.
Dann lernte ich Jacques Berndorf kennen, der damals gerade begann, mit seinen Eifel-Krimis populär zu werden. Er bat darum, mein unfertiges Manuskript lesen zu dürfen und spornte mich im Anschluss daran an, schleunigst zum Ende zu kommen. Er versprach, sich bei seinem Verlag für mich einzusetzen.
Das tat er auch. Zunächst mit mäßigem Erfolg. Bei seinem Verlag grafit lag das Manuskript die üblichen 9 Monate herum. Da sich bei mir aber nun zum ersten Mal der Gedanke verfestigte, mein Manuskript könnte vielleicht doch zur Veröffentlichung taugen, wurde ich jetzt auch ungeduldiger und reichte es bei zwei weiteren Verlagen ein, die mir geeignet erschienen: Emons und KBV.
Und dann ging es plötzlich rasend schnell. KBV meldete sich schon nach zwei Wochen, und das Ding war geritzt. (Dass ich heute, 20 Jahre später, Verleger des KBV bin, scheint mir ein Beweis dafür zu sein, dass von Anfang an vieles richtig gelaufen ist.)

Was war besonders schwierig und was hat dir geholfen?
Besonders schwierig war in meinem Fall eigentlich nichts. Meine Erwartungshaltung war gering, ein Zeitdruck hatte sich bei mir nicht aufgebaut. Ich war nie der Meinung, ich sei ein Naturtalent, und jeder Verlag warte nur auf mein Manuskript. Dass ich dann Schützenhilfe von einem professionellen Autor bekam, der mit lobenden Worten mein schöpferisches Selbstwertgefühl aufpolierte, hat erst zu dem entsprechenden Schub geführt, doch etwas mehr aus meinem Schreiben zu machen, als nur das einsame Vergnügen im stillen Kämmerlein.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende Autoren?
Man muss sich prüfen. Und zwar selbstkritisch und aufrichtig. Nicht jeder ist zum Autor geboren, aber dennoch überschwemmen die Manuskripte derer, die sich berufen fühlen, die Verlagshäuser. Und jeder, der dort nicht unterkommt, greift dann verkrampft nach den Strohhalmen der Druckkostenzuschussverlage oder des Self Publishings.
Autor ist nicht nur der, der veröffentlicht wird. Autor kann man auch im Kleinen sein. Ich rate zur Gelassenheit und zur Abwägung, ob es denn wirklich mit Gewalt das gedruckte Buch sein muss.
Wenn, wie es immer wieder bei eingesandten Manuskripten heißt, „Freunde und Verwandte völlig begeistert von dem Buch“ sind, sollte das in der Frage münden, ob es nicht manchmal besser wäre, auch mit einem solch eingeschränkten Leserkreis zufrieden zu sein.
Wer aber nach dieser ehrlichen Prüfung immer noch der Auffassung ist, dass sein Buch unbedingt publiziert werden muss, der hat heute mehr Chancen denn je zuvor. Der wird es schaffen.

Unzählige Romane später erschien im Juni Ralf Kramps neuer Roman „Totholz“, der natürlich in der Eifel spielt. Darum geht’s:
Cover_TotholzDas mit dem Landleben in der Eifel hat sich Jo Frings einfacher vorgestellt. Entflohene Kühe, ein undichtes Dach und die kleinen Streitereien mit seiner Freundin Christa lassen ihn manchmal wehmütig an sein früheres, ungebundenes Leben zurückdenken. Ein schreckliches Ereignis bringt ihn allerdings ganz unerwartet auf andere Gedanken: Die amerikanische Künstlerin Lorna, die in der Abgeschiedenheit der alten Sägemühle neue Inspiration sucht, verschwindet plötzlich spurlos. Erst kürzlich hat sie Jo gegenüber einen mysteriösen Fund im Wald erwähnt und damit seine Neugier geweckt. Lornas Verschwinden ist nur der Auftakt einer Reihe schrecklicher Geschehnisse. Ohne es zu ahnen, gerät Jo bei der Suche nach den Hintergründen in ein Netz von tragischen Verstrickungen, das vor vielen Jahren scheinbar unbemerkt geknüpft wurde.

Foto des Autors: KBV

 

 

 

Mein erstes Buch: Sylvia Lott

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Wie viele kam sie vom Journalismus zur Belletristik – und musste erkennen, dass dies zwei verschiedene Arten des Schreibens sind.

Liebe Sylvia, wie kamst du zum Romane Schreiben?
PorträtSylviaLottSchon als Kind dachte ich, dass ich später mal Romane schreiben würde. Die Grundkonstellation war also schon da. Aber zunächst wurde ich Journalistin, schrieb auch einige Sachbücher im Auftrag.
Bei vielen Belletristik-Autoren gibt es ja einen persönlichen Auslöser, der dann tatsächlich zum Romanschreiben geführt hat. Das war bei mir auch so. Als ich mit Mitte 30 das Scheitern meiner Ehe verarbeiten musste, habe ich mir Notizen über Erlebnisse und Gefühle gemacht. Jahre später entstand daraus mein erster Roman (der so nie erschienen ist).
Aber ich habe dann einen ähnlichen Roman über eine Liebesgeschichte verschiedenen Verlag angeboten – und mich schon über individuelle und freundliche Absagen gefreut. Manchmal ruhte das Projekt zwischendurch, dann schrieb ich den Roman wieder um und bot ihn erneut an. Das Manuskript landete auch bei „Hoffmann und Campe“. Als die Lektorin mein Manuskript ablehnte, empfahl sie mir im gleichen Atemzug meine zukünftige erste Agentin. Während die Agentur sich bemühte, meinen Erstling unterzubringen, erhielt sie eine Anfrage des „Moments-Verlages“ (Area), der Liebesromane von deutschen Autoren suchte. Unterhaltsam und locker sollten die sein, und ich habe laut „hier“ gerufen.

TammyTascheDer Plot wurde mir vorgegeben: Er sollte von einer Piratentochter in der Südsee handeln, die auf einen Zeitreisenden trifft. Da ich als Reisejournalistin sowohl auf Hawaii als auch in Australien gewesen war, hatte ich schon Kartons voll mit Hintergrundinfos. So entstand unter dem Pseudonym Tammy Lincoln „Die Freibeuterin und der Schatztaucher“. Von der Idee bis zur Veröffentlichung vergingen etwa zwei Jahre. Der Roman verkaufte sich gut, er kam auch als Hardcover bei Weltbild, im Bertelsmann Buchclub und als Taschenbuch bei Ullstein heraus (ich habe das erste Cover übrigens auf Seide gedruckt und ganz stolz als Täschchen spazierengeführt ;-) . Auch der Erstling wurde schließlich an einen Verlag verkauft (etwa zehn Jahre nachdem ich damit angefangen hatte!!). Dieser Verlag wollte allerdings eine Menge Veränderungen. Ich hab sie brav gemacht, aber irgendwie war das nicht mehr richtig mein Buch. Das Cover war grauenvoll, der Verlag so klein, dass der Roman es nicht bis in die Buchhandlungen schaffte. Und ich war erstmal bedient.

Zwei Jahre lang ruhten meine schriftstellerischen Ambitionen. Dann fing es wieder an zu kribbeln. Ich bat meinen Agenten um ein Treffen und sagte: Wie ist es, wollen wir noch mal richtig durchstarten? Was muss ich tun, wenn ich auf die Stapeltische von Thalia will?

Wir bestimmten einige Eckpfeiler, ich machte erstmal grobe Ideen-Vorschläge. Erzählte auch von meiner Heimat Ammerland, dem Zentrum der Rhododendron-Zucht, und dem Teetrinker-Land Ostfriesland. Ich war außerdem mal für eine Reportage in den Teegärten von Darjeeling gewesen und mir schwebte nun eine Dreiecks-Liebesgeschichte vor zwischen zwei deutschen Freunden, einem Rhododendronzüchter und einem Teehändler, und der Tochter eines englischen Teegartenbesitzers –mit viel Romantik und Abenteuer auf einer gemeinsamen Expedition durch Sikkim. Wir waren uns schnell einig, dass man daraus was machen könnte.

Die Agentur bot das Exposé für „Die Rose von Darjeeling“ erfolgreich meinem heutigen Hausverlag Blanvalet an. Inzwischen sind drei Auflagen erschienen. Es folgte „Die Glücksbäckerin von Long Island“, die seit ihrem Start im Sommer 2014 schon die vierte Auflage erreicht hat und nächstes Jahr auch in Frankreich herauskommt. Und im August erschien nun „Die Lilie von Bela Vista“, die von deutschen Auswanderern in Südbrasilien, von Edelsteinen und – natürlich – einer großen Liebe handelt. Der Roman spielt auch wieder auf zwei Zeitebenen, um 1830 und in der Gegenwart. Es gab sogar eine Premierenlesung im Deutschen Edelsteinmuseum in Idar-Oberstein.

Was waren die größten Probleme beim Schreiben?
Bei meinem ersten Roman habe ich den Fehler gemacht, einfach drauflos zu schreiben. Ich dachte, ich bin doch Journalistin, ich weiß doch, wie man schreibt. Und dann stand ich auf einmal vor dem Problem, dass ich nicht wusste, wie mein Roman enden sollte. Jetzt wo ich das professioneller angehe, nutze ich das verkaufte Exposé als eine Art Fachwerkhaus. Das Grundgerüst muss stehen, vorher fange ich nicht an zu schreiben. Aber ich lasse mir einige Freiheiten während des Schreibens, zum Beispiel wie groß ein Zimmer sein soll oder Ähnliches. Bei den Figuren stehen am Anfang nur die Grundzüge fest, die ausgebildeten Charaktereigenschaften entwickeln sich erst während des Schreibens.

Und hast du vielleicht noch einen Tipp für angehende AutorInnen?
1) Nicht aufgeben
2) Eine Agentur suchen
3) Weniger auf Freunde und Verwandte, mehr auf Profis hören, auch wenn’s wehtut
4) Das Handwerkszeug erlernen.
5) Kritik nicht persönlich nehmen
6) Eigen bleiben
7) siehe Punkt 1)

Im August erschien „Die Lilie von Bela Vista“, der vierte Roman von Sylvia Lott bei blanvalet. Darum geht’s:
51AtYpUTLhLAls die Hamburger Modedesignerin Josie das antike Collier ihrer Großtante erbt, ahnt sie nicht, dass dieses auf eine dramatische Liebesgeschichte zurückgeht – und ihr Leben verändern wird. Idar-Oberstein, 1830. Sophies Verlobter ist wie so viele Männer nach Brasilien ausgewandert – und entdeckt dort Edelsteine. Als Karl nicht kommt, um Sophie wie versprochen in die neue Heimat zu holen, ahnt sie, dass er ihre Hilfe braucht. Kurzentschlossen reist sie ihm hinterher und wird in einem Indiodorf im Dschungel fündig. Doch Karls langes Schweigen hat Gründe, die Sophie erst langsam durchschauen wird …

Foto der Autorin: Daniel Cullmann

Mein erstes Buch: Bernhard Aichner

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Manchmal hilft auch ein Kneipenbesuch …

Wie kam’s zu deinem ersten Buch?
bernhard aichner 1Ich musste immer schon schreiben. Lange vor meinem ersten Buch habe ich schon geschrieben, es hat mich glücklich gemacht. Tut es bis heute.

Und wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Buch, bzw. die Veröffentlichung in einem Verlag gedauert?
Ich habe den Lektor des Verlags damals in einer Kneipe kennengelernt. Wir haben getrunken und ich habe ihm irgendwann erzählt, dass ich schreibe. Er hat mich gebeten, ihm Texte zu schicken. Das habe ich dann getan. Vier lyrische, sehr dichte Erzählungen. Und er war begeistert. umschlag.qxdSchreib noch weitere fünf Erzählungen und wir machen ein Buch, hat er gesagt. Und ich habe geschrieben. Ein paar Monate, dann wurde gedruckt. Ein großartiges Gefühl war das. Der Moment, auf den ich lange gewartet hatte, kam einfach.

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Mein erstes Buch: Susanne und Beate Hanika

Wir haben Schriftsteller-Kolleginnen und -Kollegen gefragt, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Die Antworten sind ebenso unterschiedlich wie spannend. Und wenn zwei Schwestern miteinander schreiben, ist die Spannung vorprogrammiert.

Wie kam’s dazu, gemeinsam Euer erstes Buch zu schreiben?
DSC_6942Wir haben ja beide getrennt voneinander schon geschrieben und Bücher veröffentlicht. Die Idee, gemeinsam zu schreiben kam von Beate, als wir zusammen auf einem einsamen Bauernhof gelebt und viel, viel Zeit miteinander verbracht haben. Wir hatten so viel Zeit, uns miteinander auszutauschen, dass es für Beate nahe lag, dass man daraus was machen muss. Susanne war sehr skeptisch, weil sich unser Erzählstil ja doch unterscheidet. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass gemeinsam schreiben klappt – aber in Beate hat das anscheinend so gegärt, dass sie irgendwann einen Traum hatte, der die Grundlage von Dark Angels Summer war. Der Traum hatte Susanne zwar immer noch nicht überzeugt, aber Beate hat sich hingesetzt und das erste Kapitel geschrieben. Daraufhin wusste Susanne einfach, wie es weitergeht und das war’s dann. Wenn wir an die Anfänge von den Dark Angels denken, müssen wir immer an den riesigen Nussbaum denken, unter dem wir so oft gesessen sind und geplottet haben …

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